Stellungnahme zu IKZ-Artikel „Stadt: Viele Gespräche mit dem ADFC geführt“ vom 25.07.2008

03.08.08
Kategorie: Aktuelles, Verkehrspolitik

Leserbrief des Mitglieds P.R. zur öffentlichen Diskussion

Zunächst nehme ich mit Freude zur Kenntnis, das die Stadt Interesse daran hat, sich öffentlich zum wichtigen Thema Radverkehr zu äußern, wenn ich auch ein wenig irritiert bin, wer „die Stadt“ in diesem Fall repräsentiert. Ist diese Stellungnahme nun ein Artikel, ein Kommentar oder ein Leserbrief? Steht ein Amt, eine Person oder ein Gremium dahinter?  

In der Tat hat „die Stadt“ (ich bleibe mal umständehalber bei dieser Anrede) viele Gespräche mit Vertretern des ADFC geführt, wobei informiert werden meiner Meinung nach nicht automatisch bedeutet, die Sichtweise des Informierenden zu übernehmen. Die Gespräche fanden in keinem beschlussfähigen Gremium statt.  Es konnten also auch keine Entscheidungen getroffen werden, die der ADFC mit zu tragen hätte.   

Grundkonsens bei den Gesprächen ist meines Wissens nach immer gewesen, dass der Anteil des Radverkehrs in Iserlohn erheblich gesteigert werden soll, was die Stadt durch das Unterzeichnen der Mitgliedschaft in der Landesarbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte auch medienwirksam dokumentiert hat. Die Selbstverpflichtung der fahrradfreundlichen Städte und Kommunen in NRW liegt bei angestrebten 25% Anteil des Fahrrades an den Verkehrsträgern! Statt 25% Anteil hat  Iserlohn nur 5,4%, der Landesdurchschnitt liegt bei 12%. Die Ansicht des ADFC, dass in Iserlohn noch viel getan werden kann, ist also nicht aus der Luft gegriffen.

Meinungsverschiedenheiten hat es immer darüber gegeben, ob es genug  Maßnahmen im Einzelnen zur Erreichung des gemeinsamen Zieles gibt und wie gut diese umgesetzt werden. Bestehende Probleme kann man nun mal nicht wegdiskutieren, und es ist ein demokratisches Recht, Kritik zu äußern, um dem gemeinsamen Ziel näher zu kommen. Es ist Aufgabe des ADFC, auf bestehende Mängel im Radverkehrssystem hinzuweisen:  

- Ein fehlender Schutzstreifen auf der Schlesischen Straße (und anderswo) ist ein fehlender Schutzstreifen, auch wenn der ADFC und Andere über den Wegfall informiert waren.

-  Ein farblich nicht abgesetzter Radweg (mit Benutzungspflicht) ist ein farblich nicht abgesetzter Radweg (mit Benutzungspflicht), auch wenn der ADFC und Andere darüber informiert waren.

- Eine verwirrende und allgemein nicht übliche Verkehrssituation an einem Kreisverkehr ist eine verwirrende und allgemein nicht übliche Verkehrssituation an einem Kreisverkehr, was nicht nur Mitglieder des  ADFC so erleben.    

- Ein über 20 Jahre nicht realisierter zentraler Innenstadtradweg auf der Bahntrasse ist ein über 20 Jahre nicht realisierter zentraler Innenstadtradweg, auch wenn nach 15 Jahren der ADFC über eine 5jährige Bauzeit für 3,2 Kilometer Radweg  informiert wurde.  

- Eine fehlende Barrierefreiheit an der Treppe hinunter zur Bauernkirche ist eine fehlende Barrierefreiheit, auch wenn auf weiträumige, zum Teil gefährliche und vor allem nicht ausgeschilderte  Umfahrungen hingewiesen wird.  

- Der gefährliche und nicht zeitgemäß gebaute Abschluss des Bahntrassenradweges mit der Querung der Hansbergstraße bleibt der gefährliche und nicht zeitgemäß gebaute Abschluss des Bahntrassenradweges, auch wenn zu diesem Punkt die Stadt keine Stellung nimmt.  

- Zahlreiche weitere Möglichkeiten zur Verbesserung des Radverkehrssystems sind der  Stadt durch die Arbeit des ADFC und durch die Aufmerksamkeit vieler Bürger bekannt, auch wenn die Stadt für jeden einzelnen dieser Punkte Argumente findet, warum gerade hier nichts gemacht werden kann oder soll. (Die Wiedergabe der kompletten Liste würde hier den Rahmen sprengen)  

Die Standards für die Umsetzung von Radverkehrsmaßnahmen hat sich der ADFC Iserlohn nicht aus den Fingern gesogen, sondern diese sind allgemein praktiziert, wie jeder Iserlohner Bürger bei Besuchen anderer Städte leicht selbst nachprüfen kann und wie sie im Rathaus allein schon durch die Mitgliedschaft in der Arbeitsgemeinschaft bekannt sind.  

Fakt ist auch, das Iserlohn bei der Überprüfung der Fahrradfreundlichkeit im November 2007 schlecht abgeschnitten hat. Iserlohn und Minden mussten sich von 28 Kommunen einer Nachkontrolle durch Bereisung einer Kommission unterziehen,  und die Verleihung des Titels stand für Iserlohn auf der Kippe“ (IKZ vom 05.11.2007)  

Die beste Imagepflege für die Stadt ist das Lösen dieser  Probleme und nicht das herumargumentieren, warum diese Probleme nicht öffentlich angesprochen werden sollten. In diesem Zusammenhang wäre der Mängelbericht von Interesse, der müsste aufzeigen, was zur Steigerung des Radverkehrsanteiles machbar ist.      

Anregung zum Schluss: Die Stadt kann ihren Willen zur Förderung des Radverkehrs kostenneutral sehr leicht durch Anbringen der Ortsschilderergänzungen „Iserlohn, fahrradfreundliche Stadt in NRW“ dokumentieren (Gemeint ist nicht die Tafel am Ruhrtalradweg) Die Stadt ist zum Anbringen berechtigt, und diese Schilder sollen bereits seit mehreren  Jahren im Rathauskeller liegen.  

P. R.

P. R.

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