SmartCity.ms – die Mitmachstadt?

10.12.19
Kategorie: Verkehrspolitik, Verkehrsplanung, Mobilität

Münster auf dem Titelbild: Smart City Index 2019 (Grafik: Bitkom)



Smart City im Wartungsmodus (Screenshot ADFC vom 8.12.2019)



Minister Andreas Pinkwart (2.v.r.), OB Markus Lewe (r.), Stadtbaurat Robin Denstorff (2.v.l.) und Dr. André Wolf informierten sich vor Beginn der Veranstaltung an "Dialoginseln" (Bild: Presseamt Stadt Münster)



Dr. André Wolf, Smart City Manager, Münster (Bild: Presseamt Stadt Münster)



Grafik aus der öffentlichen Berichtsvorlage citeq, Sitzung Betriebsausschuss am 21.11.2019 (Screenshot: ADFC Münsterland)



"Internet der Dinge" – einfach erklärt (Screenshot Erklärvideo: ADFC Münsterland)



Smarte Cloud: Forschungsprojekt "Enabling Open Cities" (Screenshot: ADFC Münsterland)


Smart City ist ein Begriff, der in den letzten Jahren von unterschiedlichen Akteuren in Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Stadtplanung mit unterschiedlicher Akzentuierung verwendet wurde, um technologiebasierte Veränderungen und Innovationen im urbanen Raum zusammenzufassen. Das Konzept „Smart City“ vertraut auf die effiziente Nutzung digitaler Technologien – als Reaktion auf die ökonomischen, sozialen und politischen Herausforderungen mit denen die post-industrielle Stadtgesellschaft konfrontiert ist. Was bedeutet das für Münster – Stichwort „wachsende Stadt“ – und für eine nachhaltige sozial-verträgliche Mobilität? Ist Münsters Rang 27 beim Bitkom Smart City Index 2019 eine gute Platzierung? Und welche Rolle spielen offene Daten und die Partizipation der "Smart Citizens"? Der Versuch einer Standortbestimmung.

 

Der Sammelbegriff "Smart City" kam zu Beginn der Nullerjahre auf. Im frühen Januar des Jahres 2018 – beim Neujahrsempfang der lokalen Christdemokraten (CDU) in der LBS-Lobby – hörten wir erstmals das amtliche Buzzword „Smart City“ in einem Redebeitrag des Stadtbaurats von Münster Robin Denstorff, der am 1. März des Vorjahres sein Amt angetreten hatte. Die „kluge Stadt“ ergänzte damit das Narrativ der „wachsenden Stadt“ und ist wahrscheinlich zugleich Trendsetzer und Hoffnungsträger angesichts von Wachstumsschmerzen, Verkehrskollaps und Klimanotstand. Im weiteren Jahresverlauf fand die „Smart City“ ihren Weg in die farbige kommunale Folienwelt – so im November 2018 bei der konstituierenden Sitzung des prozessbegleitenden Beirats zum Masterplan "Mobilität Münster 2035+". Denstorff verwies bei mehreren Anlässen darauf, dass diese Wortblase nun auch mit Inhalt gefüllt werden müsse. Mit westphälischem Phlegma dachten wir – übrigens ähnlich wie beim irgendwie verwandten Thema „Künstliche Intelligenz“ – erstmal abwarten!

Wenn die Smart City kein selbstlernendes System sein soll, so meinten wir, dann bräuchte es wohl einen Macher oder zumindest Manager. Und tatsächlich wurde diese Stelle unter der klangvollen Überschrift „Als Chief Innovation Officer gestalten Sie erfolgreiche Prozesse!“ mit Bewerbungsschluss 6. Februar 2019 ausgeschrieben: LEITER/-IN "SMART CITY MÜNSTER" FÜR DIE STADT MÜNSTER (AT-VERTRAG)

Nach der Stellenausschreibung, die über das ZFM-Karriereportal in der Lead City Bonn lief, sollte der künftige Stelleninhaber (m/w/d) direkt dem Stadtbaurat (Dezernat III Planung, Bau und Wirtschaft) berichten und dem Vernehmen ein kleines Team von geschätzt drei Mitarbeiterïnnen führen. Geboten wurde ein außer-ordentlich vergüteter Vertrag (AT) jenseits der Niederungen des TVÖD. Wohl angemessen, angesichts der kernig-üppig-diffusen Beschreibung der Kernaufgaben:

  • Entwicklung und Steuerung einer Smart City-Strategie für Münster
  • Strategische Mitwirkung an Kooperationsprojekten zur Digitalisierung am Standort, Impulsgeber und Steuerungsunterstützung für den Verwaltungsvorstand
  • Enge Zusammenarbeit bzw. Abstimmung mit den städtischen Beteiligungen, dem städtischen IT-Dienstleister sowie mit allen digitalen Akteuren am Standort wie Kammern, Unternehmen, Initiativen und wissenschaftlichen Einrichtungen
  • Konzeptionierung, Vorbereitung und Durchführung von Dialogangeboten zu Smart City Münster an Bürgerschaft, Wirtschaft und Gesellschaft
  • Etablierung von neuen Kooperationsformen und Arbeitsweisen zur Umsetzung von Strategien und Projekten in den o. g. Themenfeldern.

Das Exposé des Stellenangebots verweist implizit auf die wachsende Stadt und bietet neben wohlklingenden Schlüssel-Adjektiven (bedeutend, weltoffen, jung, international, ganzheitlich, effizient, beteiligungsstark etc.) auch einen zarten Hinweis auf die Schnittstellen und Handlungsfelder von „Smart City“.

Münster ist mit 310.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bedeutender Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort und Sitz zahlreicher Institutionen. Als weltoffene Kongressstadt zeichnet sich Münster durch einen hohen Kultur- und Freizeitwert aus. Die rund 60.000 Studierenden prägen Münster zudem als junge und internationale Stadt.

Im Rahmen einer ganzheitlichen Stadtentwicklung verfolgt die Stadt Münster die Gestaltung eines effizienten, beteiligungsstarken und technologisch innovativen Gemeinwesens. In Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren soll hierzu für Münster ein strategischer Ansatz entwickelt werden, der an den Schnittstellen von Digitalisierung und Stadtentwicklung Innovationen vorantreibt (Smart City Münster). Angesprochen sind Handlungsfelder wie z. B. Mobilität, Handel, Wissenschaft und Bildung sowie Wohnen.

Der Officer und (s)ein Stadtforum

Laut Pressemitteilung der Stadt Münster gingen 83 Bewerbungen ein. Ausgewählt wurde Dr. André Wolf, eine Entscheidung, die der Rat der Stadt Münster am 22. Mai 2019 bestätigte. Zu diesem Zeitpunkt war Wolf noch Leiter der Markenentwicklung und Regionalentwicklung beim Münsterland e.V. Wolf hat an der TU Dortmund Raumplanung studiert. Zu seinen beruflichen Stationen gehörte unter anderem die wissenschaftliche Mitarbeit im Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr der RWTH Aachen. Weitere Stationen waren die Planersocietät Dortmund, die Agentur der Regionale 2016 („Zukunftsland“) und die eher bodenständige Westfalen-Initiative. Zum 1. September 2019 trat Dr. André Wolf – zugeordnet unter III/3 – seine Stelle an. Am 5. November 2019 lud Oberbürgermeister Markus Lewe Vertreterïnnen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft, Wissenschaft und Initiativen zu einem Stadtforum „Smart City Münster“. In der Cloud des Factory Hotels sollten Experten Impulse zur Diskussion liefern – was eine Pressemitteilung der Stadt smart verdichtete:

Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, machte deutlich: "Münster hat es verstanden, die Digitalisierung dort nutzbar zu machen, wo sie einen Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger bietet.“

André Wolf, erläuterte bei seinem ersten öffentlichen Auftritt: "Digitalisierung ist kein in sich abgeschlossenes und befristetes einzelnes Projekt. Es handelt sich um einen fortlaufenden, dauerhaften Prozess. Das Ziel ist: wir wollen uns das Leben leichter machen." Smart habe nicht nur mit Technik zu tun, auch die soziale Welt werde sich ändern, so Wolf: "Es entsteht eine vernetzte Mitmachstadt. Dabei ist immer auch die Initiative der Stadt gefragt, denn die Stadt muss frühzeitig agieren und schon heute Grundlagen schaffen."

Und Oberbürgermeister Markus Lewe fügte hinzu: "Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Die Nutzung digitaler Technologien muss für alle Lebensbereiche unserer Stadt eine Relevanz haben und klaren Nutzen bringen."

Eine Essenz finden wir vielleicht im Veranstaltungsbericht der Westfälischen Nachrichten:

„Smart City“ – was heißt das konkret? „Dass das Münster von morgen besser ist als heute“, sagt Stadtbaurat Robin Denstorff.

So weit, so smart.

Bitkom Smart City Index 2019

Wenn das Phänomen qualitativ-deskriptiv noch nicht wirklich greifbar ist, hilft vielleicht ein Index? Der Digitalinteressenverband Bitkom hat im Oktober 2019 seinen (ersten) Smart City Index veröffentlicht, für den er 81 deutsche Städte (über 100.000 Einwohnerïnnen) anhand fünf verschiedener Themenfelder bewertet und verglichen hat. Demnach wäre Hamburg die smarteste Stadt in Deutschland (79,6 von 100 möglichen Punkten) – Salzgitter steht auf dem letzten Platz (mit nur 20,5 Punkten).

Von den vier digitalen Modellregionen NRW mit mehr als 100.000 Einwohnerïnnen hat es übrigens keine in die Top 10 geschafft. Dieses Quartett besteht aus: Aachen (Platz 11), Gelsenkirchen (Platz 45), Paderborn (Platz 39) und Wuppertal (Platz 22): die Modellkommune Soest hat weniger als 100.000 Einwohner und wurde deshalb von dem Index nicht erfasst.

Die untersuchten fünf Bereiche – Verwaltung, IT und Kommunikation, Energie und Umwelt, Mobilität sowie Gesellschaft – fächern sich in weitere 35 Indikatoren auf, die wiederum aus insgesamt 96 Parametern bestehen – von Online-Bürgerïnnen-Services über Sharing-Angebote für Mobilität und intelligente Mülltonnen bis hin zur Breitbandverfügbarkeit. Sie sind normiert, d. h. auf eine Skala von 0 bis 100 übersetzt. Außerdem werden in jedem Themenbereich innovative Projekte außerhalb der betrachteten Indikatoren erfasst und mit maximal fünf Prozent der erreichbaren Gesamtpunktzahl je Themenbereich gewertet. Vor Veröffentlichung wurde den Städten Gelegenheit gegeben, die Daten zu prüfen und zu ergänzen. (Die kompletten 38 Seiten der Studie hier als PDF-Download)

Rang 27 für die Smart City Münster

Überraschenderweise ist die Hansestadt Münster auf dem Titelblatt der Studie abgebildet. Im Gesamtranking der smartesten deutschen Städte landet sie aber nur exakt am Ende des ersten Drittels – auf Rang 27 mit 52,6 Punkten.

Wie sieht es in den fünf Einzelbereichen aus?

  • Im Themenfeld Verwaltung (zu der auch City-App und Social Media zählen) belegt Münster Platz 19. (Anmerkung: Ohne nicht näher spezifizierte Pilotprojekte hätte es nur zu Rang 46 gereicht.)
  • Im Themenfeld IT und Kommunikation – hier geht es im Wesentlichen um Netze – reicht es nur für Platz 55 (Pilotprojekte gibt es keine).
  • Im Themenfeld Energie und Umwelt erreicht Münster Rang 9. (In einem insgesamt eher schwach bewerteten Handlungsfeld tragen auch nicht näher spezifizierte Pilotprojekte zur guten Platzierung bei.)
  • Im dem schwer fassbaren Themenfeld Gesellschaft – mit noch schwerer greifbaren Indikatoren – liegt Münster auf Platz 32.

Smarte Mobilität

Bleibt das Themenfeld Mobilität, bei dem wir auch näher auf die Einzelindikatoren geschaut haben. Insgesamt erreicht Münster hier Rang 28, zwei Plätze hinter Osnabrück. Im Bereich Mobilität ganz vorn liegt die Autostadt Stuttgart vor der ADFC-Fahrradklimatest-Siegerin Karlsruhe (FKT18). Hamm und Dortmund belegen übrigens die Plätze 17 und 18.

Im folgenden sind die 6 Einzelindikatoren mit 12 weiteren Parametern aufgeführt. In Klammern jeweils Münsters erreichte Punktzahl von 100 möglichen.

Themenfeld Mobilität (Münster: 48,20 von 100 Punkten)

Parken und Digitale Verkehrsschilder (30/100)
- Digitale Verkehrsschilder
- Online-Parkplatzverfügbarkeit

Intelligente Ampeln (100/100)
- Verbreitung Intelligente Ampeln

Handytickets und Echtzeitinformationen im ÖPNV (50/100)
- Ticketkauf in ÖPNV-App
- Echtzeitdaten in ÖPNV-App

Carsharing und Ride-Sharing (43,87/100)
- Carsharing: Fahrzeuge je 1000 / EW
- Carsharing: E-Autos
- Ridesharing

Weitere Sharing-Angebote (25/100)
- Bikesharing
- Bikesharing: E-Bikes
- E-Roller-Sharing
- E-Tretroller-Sharing

Weitere Pilotprojekte (4,17/100)

Diskussionsstoff und Datensilos

Wir werten den Bitkom Smart City Index zunächst einmal als ersten Aufschlag für ein angesagtes, gleichwohl diffuses Thema. Ein Maßstab, der Diskussionsstoff und Orientierung vermitteln soll. Der Index basiert auf Indikatoren, die von der Bitkom (zur Erinnerung, ein Interessenverband der deutschen Digitalwirtschaft) als digitalisierungsrelevant eingestuft werden. Bei der Auswahl der Indikatoren/ Parameter wird deutlich, dass smart viel mit digital zu tun haben muss. An dieser Stelle bringen wir noch die Abkürzung IoT unter, weil das Internet der Dinge (Erklärvideo) irgendwie in allen Smart City-Diskussionen vorkommen muss. Was dadurch morgen besser werden sollte als heute, erschließt sich bislang eher wenig.

Auffällig auch: Handlungsfelder, die die citeq als wichtig einstuft, werden im Bitkom-Index nicht berücksichtigt:

Einige Themenbereiche, die in der Stadt Münster als durchaus digitalisierungsrelevant eingestuft sind (z. B. „Digitale Schule“ oder „IntraNet der Stadtverwaltung“ als ein Beitrag zur Förderung der Digitalen Verwaltungskultur) werden in der bitkom-Studie nicht berücksichtigt.(Zitiert nach der Berichtsvorlage Betriebsausschuss der citeq, 7.11.2019, eigene Hervorhebungen) 

Wir wollen jetzt nicht sofort zu einer Indikatorenkritik im Mobilitätsbereich ansetzen; notieren aber schon mal unsere Merkpunkte: intermodal, nachhaltig, inklusiv, ökologisch und sozial verträglich. Für den Moment sind wir froh, dass uns die Digitalwirtschaft einen Strauß von Parametern an die Hand gibt, um zu verstehen, an welche Alltagsanwendungen gedacht wird.

Dass digital nicht unbedingt auch „vernetzt“ bedeuten muss, lässt sich beim Bitkom-Index zumindest daran erkennen, dass zahlreiche Parameter, die gemäß Alltagswissen der Mobilität zugeordnet werden könnten, in ganz anderen Teilbereichen der Studie auftauchen. Das ist wenig ganzheitlich, wiewohl immer wieder der gesamtheitliche oder ganzheitliche Charakter des Smart City-Konzepts betont wird. Für den Bereich Mobilität kann das an wenigen augenfälligen Beispielen verdeutlicht werden. Handlungsfelder, die aktuell nicht der Dimension „Mobilität“ zugeordnet sind:

  • IT und Kommunikation: Mängelmelder und City-App Parken/ Mobilität
  • Energie und Umwelt: City Logistik Hub, E-Fahrzeuge, Ladeinfrastruktur (mit Unterpunkten), Emissionsarme Busse (mit vier Unterpunkten wie Elektro, Bioerdgas, Hybrid)
  • Gesellschaft: Geodatenportale, Open Data generell

Das erinnert stark an das vertraute, aber wenig smarte Abteilungs- oder Silodenken. Übrigens setzte Münsters städtischer IT-Dienstleister (citeq) die Ergebnisse des Bitkom-Benchmark am 21. November 2019 auf die Agenda des Betriebsausschusses.

Der Berichtsvorlage ist eine Grafik beigefügt, die verdeutlichen soll, bei welchem der fünf Bitkom-Themenbereiche die citeq sich involviert sieht – unterschieden nach 1. zuständig, 2. beteiligt und 3. technisch unterstützend. Folgt man dieser Darstellung, hat der kommunale IT-Dienstleister der Smart City Münster mit den beiden Themenblöcken Energie/Umwelt und Mobilität überhaupt nichts zu tun!

Ein vorläufiges Fazit

Der Bitkom Smart City Index 2019 ermöglicht eine erste Orientierung und einen überschaubaren Themeneinstieg – nennt er doch aus der Cloud der Möglichkeiten konkrete Anwendungsformen und Beispiele. Die Aspekte sozial und ökologisch verträglich, nachhaltig und inklusiv und – vor allem im Bereich Mobilität – intermodal sind erst im Ansatz zu erahnen. Betrachten wir Smart City (zunächst noch) als Thema der Experten, dann wissen wir, dass sowohl die citeq als auch „Chefkümmerer“ André Wolf hier rührig sind – und erste bundesweite Vergleichsmöglichkeiten haben. wir sind gespannt, wie sie das Zukunftsthema in die Stadtgesellschaft tragen wollen.

Citeq-Betriebsleiter Stefan Schoenfelder sagte im Betriebsausschuss der Bitkom-Index 2019  „ ist nichts, worauf wir stolz sein können“, aber „er gibt Hinweise, denn in einigen Bereichen ist Münster gut aufgestellt.“ Sein Fazit: „Orientierung für weitere Optimierung.“ Der CDU Ratsherr Jens Christian Heinemann schlug nochmals den Bogen zum Stadtforum 7 („Digitalisierung findet Stadt / Smart City“) und merkte an: „Es sei dort deutlich gemacht worden, Digitalisierung finde statt. Zur Umsetzung seien personelle und finanzielle Aufwände zwingend erforderlich.“

Bedauerlicherweise wurde kein Bezug auf die übrigen „Stadtforen“ genommen – vor allem nicht auf MünsterZukünfte 20 | 30 | 50. Ohne Zukunft können wir uns eine City in Zeiten des proklamierten Klimanotstands allerdings nicht smart vorstellen.

Bei Mobilitätsfragen kommt uns Münster noch vor wie die gute alte Asphalt City des letzten Milleniums. Die smarten Lösungen für Pendlerïnnenströme und Verkehrsinfarkt sind weiterhin Straßenausbau, Flächenversiegelung und flüssiger Individualverkehr – wie die Beispiele vierstreifige B51 („alternativlos“), Verteilerstraße Roxel (B-Plan Nr. 485; vom Rat beschlossen) oder die Eschstraße (B-Plan Nr. 591) zeigen. Flankiert von quälend langsamer Umsetzung von Velorouten (im Bestand) – garniert mit ein wenig adaptiver Beleuchtung.

Kritiker weisen darauf hin, dass die Partizipation der Bürgerïnnen in konkreten Smart City Konzepten oft nur am Rande eine Rolle spielt, während der tatsächliche Fokus auf technologischen und infrastrukturellen Aspekten liege. Wenn Münsters Stadtgesellschaft künftig die Daten für Smart City oder Smart Mobility liefert, muss – neben Datenschutzaspekten – geklärt werden, wem diese gehören und wer sie wozu verwerten darf. Das Institut für Geoinformatik hat sich – unter anderem in dem Forschungsprojekt „Enabling Open Cities“ – damit auseinandergesetzt und sieht ein Schlüsselproblem in der Frage

„wie können Bürgerïnnen oder zivilgesellschaftliche Akteure die Prozesse nachvollziehen, die Smarte Cities voranbringen und vor allem: wie können sie ein Gefühl bekommen, die Dinge selbst zu kontrollieren, statt von Dienstleistungen kontrolliert zu werden, die ihnen das Versprechen der Smart City bringt.“

Eng damit verbunden ist die Frage, welche smarten Services die Stadtgesellschaft selbst für wichtig und erforderlich hält. Bislang ist zu vermuten, dass Wirtschaft und Verwaltung durchaus andere Prioritäten haben.

Anders gesagt: Eine Smart City braucht auch Smart Citizens. 


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