Radmesser - viele Überholvorgänge deutlich zu eng

19.01.19
Kategorie: Aktuelles, Verkehr

Aufmacher zum Crossmedia-Projekt Radmesser. © Verlag der Tagesspiegel


Um Radfahrende nicht zu gefährden, sollten Autofahrer beim Überholen einen Seitenabstand von mind. 1,5 m einhalten. In Berlin untersuchte das Projekt Radmesser vom Tagesspiegel, wie nah sich Auto- und Radfahrende im Stadtverkehr wirklich kommen.

Um Radfahrende nicht zu gefährden, sollten Autofahrer beim Überholen einen Seitenabstand von mind. 1,5 m einhalten. In Berlin untersuchte das Projekt Radmesser vom Tagesspiegel, wie nah sich Auto- und Radfahrende im Berliner Stadtverkehr kommen.

Wie gefährlich sind Überholvergänge - Daten liefern klare Ergebnisse

Bisher fehlten der Polizei und der Berliner Stadtplanung geeignete Messinstrumente, um Vergehen beim zu engen Überholen zu dokumentieren oder festzustellen, wie häufig sie vorkommen. Für das Crossmedia-Projekt Radmesser hat der Tagesspiegel gemeinsam mit Physikern, Experten für Künstliche Intelligenz und Designern einen Sensor entwickelt, mit dem der Überholabstand zwischen den Verkehrsteilnehmenden gemessen werden kann. Dafür wurden 100 Testfahrer aus allen Bezirken zwei Monate lang mit Abstandssensoren ausgerüstet. Insgesamt legten sie in dieser Zeit 13.300 Kilometer zurück. Fast 17.000 Überholvorgänge wurden ausgewertet. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, warum die Stimmung auf der Straße so aggressiv ist.

Sicherheit ist entscheidend

Mehr als die Hälfte aller Fahrrad-Überholvorgänge von Pkw, Lkw, Busse und motorisierter Zweirädern waren zu eng. Laut gängiger Rechtsprechung muss beim Überholen mindestens ein Abstand von 1,5 Metern eingehalten werden, sind Kinder mit auf dem Rad sogar mindestens zwei Meter. Der Abstand wurde in 56 Prozent aller Messungen unterschritten. In 18 Prozent der Fälle betrug dieser sogar weniger als einen Meter. Für Fahrradfahrer eine echte Gefahr. Fast ein Viertel der Befragten gaben an, in den vergangenen zwei Jahren einen Unfall gehabt zu haben.

In seinem Positionspapier „Ein neues Verkehrsrecht für die Mobilität von heute und morgen“ führt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub aus, dass das bisherige Straßenverkehrsrecht die „langsameren“ Verkehrsarten systematisch benachteilige. Die einseitige Privilegierung des Autos als Verkehrsmittel stamme noch aus Wirtschaftswunder-Zeiten und sei durch die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte – Verstädterung, Stau-, Schadstoff- und Gesundheitsprobleme, Klimawandel – mittlerweile überholt.

Der ADFC fordert, das Straßenverkehrsrecht so zu reformieren, dass die „Vision Zero“ (null Verkehrstote) und eine nachhaltige Verkehrsentwicklung die obersten Prämissen sind. Aspekte des Klima-, Umwelt- und Gesundheitsschutzes sind ebenso zu berücksichtigen, wie die spezifischen Interessen von Fuß- und Radverkehr. Konkret fordert der ADFC, dass Fahrradstraßen inklusive Einfahrtsbeschränkungen für den Autoverkehr, getrennte Ampelschaltungen und Tempo 30 deutlich leichter einzurichten sind. Die Möglichkeiten der Behörden, Kfz-Verkehrsflächen zugunsten des Fuß- und Radverkehrs umzuverteilen, oder Modellprojekte mit neuen Infrastrukturlösungen durchzuführen, müssen klar erweitert werden. Auch müsse der Mindestabstand von 1,50 Meter beim Überholen von Fußgängern und Radfahrenden ausdrücklich in der StVO niedergeschrieben und mit Bußgeld bewehrt werden.

Quelle: https://www.adfc.de/pressemitteilung/adfc-fordert-verkehrsrecht-fuer-alle/

https://www.adfc.de/fileadmin/user_upload/Expertenbereich/Politik_und_Verwaltung/Download/181017_ADFC-Positionspapier_Neues_Verkehrsrecht_StVO_final.pdf

Weitere Informationen zum Radmesser finden Sie hier


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