Radkomm#4: Aufbruch Fahrrad NRW gestartet

17.06.18
Kategorie: Verkehrspolitik, Mobilität

Kölner Konfetti: Ursula Augenstein und Thomas Semmelmann (Vorstand ADFC NRW) und Ute Symanski (Radkomm, rechts) geben den Startschuss



Ute Symanski (1. Vertrauensperson) präsentiert den Aufbruch Fahrrad!



Oberbürgermeisterin Henriette Reker (in Weiß, mit Blumen) beim Startschuss zum Stadtradeln



Hermann Knoflacher liebt Autonomes Gehen



Ein Podium, zehn Radentscheide



Ralph – das Kölner Waffelrad (powered by Christiania)


Rund 300 Aktive, denen nachhaltige Mobilität, saubere Luft, lebenswerte Städte oder der Schutz der Umwelt am Herzen liegen, haben bei der vierten Radkomm in der Alten Feuerwache (Köln) den Startschuss zur Volksinitiative Aufbruch Fahrrad gegeben.

 

Das Kölner Forum Radverkehr lud zur Radkomm #4 – zugleich Diskussionsforum, Kongress, Workshop, Netzwerktreffen ... und in diesem Jahr auch die große Bühne zum Startschuss für den zehnten Radentscheid in Deutschland. Im Innenhof des Bürgerzentrum Alten Feuerwache tummelten sich Fahrrad- und Umweltaktivisten an Info- und Lastenradständen. Unser Favorit: Das Kölner Waffelrad von Ralph – eine anderthalbfache, solide Christiania-Kombination – Gaufres de Liège mobil.

Welche Mischung aus Provokation und Dialog?

Drinnen sprach zunächst die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker ein Grußwort – mit durchaus selbstkritischen Anklängen was die "Fahrradstadt" Köln anging. Wenn sie sich mit Anne (der ersten Pariser Oberbürgermeisterin) unterhalte, wundere sie sich, dass es möglich sei, Teile des rechten Seine-Ufers für den Autoverkehr zu sperren. Übrigens sind auch die Champs Elysées einmal im Monat autofrei ... aber, zurück nach Köln. Harald Rau, Beigeordneter für Umwelt und Soziales eröffnete das Kölner Stadtradeln 2018 zusammen mit einer Schulklasse. Ziel sei es, in diesem Jahr zumindest die Düsseldorfer Kilometerleistung zu übertreffen. In diesem Jahr nimmt eine Rekordzahl von 795 Kommunen teil – von Aachen bis Zusmarshausen (Landkreis Augsburg). Die Fahrradhauptstadt Münster fehlt weiterhin, stellt allerdings mit Markus Lewe den Präsidenten des Deutschen Städtetages, einer Spitzenorganisation der kommunalen Selbstverwaltung; das wirft Fragen auf. Doch zurück nach Köln ... wo genau diese Frage diskutiert wurde, wie die Mischung aus Provokation und Dialog aussehen müsse, damit sich bei nachhaltiger Mobilität etwas bewegt.

Danach wurde es wissenschaftlich. Der Wiener Autokritiker und emeritierte Professor Dr. Hermann Knoflacher bereitete locker und unaufgeregt seine bekannten Thesen auf (Das Auto macht uns total verrückt). Er outete sich: "Ich bin ein Anhänger des Autonomen Gehens." – und erinnerte daran, dass der Aufbruch nur gelingen könne, wenn die finanziellen, baulichen und rechtlichen Strukturen verändert würden. Dazu brauche es vor allem strategische Partner. Damit meinte er weniger die inzwischen rund 70 Partner im Aktionsbündnis – sondern den öffentlichen Nahverkehr und die Fußgehenden. Der Applaus für Knoflacher war nachhaltig und eindrucksvoll.

Zeigt euch! Neun plus ein Radentscheid

Ebenso eindrucksvoll und (wahrscheinlich) einmalig war dann die Versammlung von Vertretern der bisherigen Radentscheide und Initiativen in Deutschland. (Anmerkung: Es heißt DER Radentscheid und tatsächlich waren mit einer Ausnahme nur Männer als Repräsentanten der jeweiligen Städte und Bundesländer auf der Bühne. Selbstverständlich arbeiten viele, viele Aktivistinnen engagiert mit, doch dies sollte – auch außerhalb NRWs – in der Außendarstellung deutlicher werden.)

Michael Adler, der die gesamte Veranstaltung gut informiert und launig moderierte, rief in alphabetischer Reihenfolge die Aktiven aus Aachen, Bamberg, Bayern, Berlin, Darmstadt, Frankfurt, Hamburg, Kassel und Stuttgart auf die Bühne. Dann gab die Kölner Radaktivistin und Soziologin Dr. Ute Symanski (die bei Aufbruch Fahrrad den charmanten Titel "1. Vertrauensperson" trägt) zunächst das Startsignal für die Volksinitiative und dann das Mikrofon weiter – an die 2. Vertrauensperson: Thomas Semmelmann, Vorsitzender des ADFC Landesverbandes NRW. Semmelmann, der stolz auf seinen paritätisch besetzten Landesvorstand (je fünf Männer und Frauen, von denen drei angereist waren) verwies und inzwischen über 40.000 Mitglieder in Nordrhein-Westfalen vertritt, bedankte sich ausdrücklich bei den Kölner Aktiven: "Wir freuen uns, dass der Tanker ADFC vom Schnellboot Radkomm zum Aufbruch gelotst wurde." Angesichts von (bislang) 25 Kreisverbänden im Aktionsbündnis sei er zuversichtlich, dass die erforderlichen 66.000+ Unterschriften schnell zusammen kämen. Tatsächlich erwarten die Aktiven wohl eine sechsstellige Zahl an Unterstützer*innen.

Der ADFC Münsterland gehört von Beginn an zum Aktionsbündnis Aufbruch Fahrrad! und ist zugleich Sammelstelle für die vier Münsterlandkreise und die Fahrradstadt Münster. Weitere Informationen zu den neun Maßnahmen, für die sich der Radentscheid in NRW stark macht, Links zu Unterschriftenlisten, Sammelstellen etc. finden sich im Artikel Breites Aktionsbündnis startet "Aufbruch Fahrrad" für NRW.

Text und Bilder: Andreas K. Bittner

 

 


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