Harald Eufinger (Bündnis 90/Die Grünen) zu Gast beim ADFC-Stammtisch

12.07.09
Kategorie: Aktuelles, Märkischer Kreis, Verkehrspolitik

Harald Eufinger (3.v.l.) beim ADFC Iserlohn/ MK


ADFC Iserlohn/ Märkischer Kreis beendet Diskussionsreihe mit Iserlohner Bürgermeisterkandidaten

Als vierten und letzten vom ADFC eingeladenen Bürgermeisterkandidat konnte der Kreisverband Iserlohn am vergangenen Montag, 6. Juli, den Kandidaten der Grünen, Harald Eufinger, begrüßen. Die allgemeine Zustimmung zum Radverkehr wurde von Eufinger als Parteimitglied der Grünen im Gegensatz zu anderen im Vorfeld gehören Kandidaten geradezu erwartet, in diesem Punkt sollte der Stammtisch auch nicht enttäuscht werden. Trotz Eufingers klaren Bekenntnisses zum Radverkehr in Iserlohn aber entsann sich eine breit angelegte und durchaus kontroverse Diskussion.

Fahrrad gleichberechtigtes Verkehrsmittel

So konnte der Bürgermeisterkandidat beispielsweise auf Nachfrage kein komplettes Verkehrskonzept seiner Partei erörtern, was bei Teilen der ADFC-Mitglieder auf Unverständnis stieß. Mit dem Vorwurf konfrontiert, der Begriff „Fahrrad“ tauche im Wahlprogramm der Grünen nur höchstselten auf, stellte Eufinger aber klar, dass ein Wahlprogramm ganz bewusst mehr eine Zusammenfassung wichtiger Absichtserklärungen und Ziele als eine Aufzählung konkreter Maßnahmen darstelle. Mindestens zur Hälfte diene es der Abstimmung unter Parteimitgliedern.

Schulradverkehr muss gefördert werden

Klar bekannte sich Eufinger zum Fahrrad als ernstzunehmendes, gleichberechtigtes Verkehrsmittel, das nicht ausschließlich als Freizeitobjekt betrachtet auf Wege außerhalb der Stadt abgeschoben werden dürfe. Diese Haltung sei gerade in der Vergangenheit, als er selber seine politische Laufbahn begonnen habe, weit verbreitet gewesen, sie sei aber längst überholt. Eine große Unterstützung des ADFC-Kreisverbandes war ihm in diesen Punkten sicher, weshalb es auch immer wieder großen Beifall gab. Auch  forderte Eufinger eine Förderung insbesondere des Schulradverkehrs, der aufgrund der gegenwärtigen Infrastrukturen sowohl im Hinblick auf Wege als auch im Hinblick auf Abstellmöglichkeiten häufig unzumutbar sei. Das Fahrradfahren in der Fußgängerzone aber wollte Eufinger nicht prinzipiell befürworten, zu groß seien Konflikte mit anderen Bürgerinteressen und Interessengruppen. Langfristig aber sei ein Miteinander aller Verkehrsarten erstrebenswert, idealerweise im „shared space“-Konzept.

ADFC in den Verkehrsausschuss

Um Verkehrskonzepte für Iserlohn erfolgreich zu entwickeln, befürwortete Eufinger deutlich eine Wiedereinbindung des ADFC-Kreisverbandes in den Verkehrsausschuss. Dies könne er als eventueller zukünftiger Bürgermeister zwar nicht selber entscheiden, er werde aber eine „dringende Empfehlung“ aussprechen. Auf die Fachkompetenz des ADFC dürfe in Radverkehrsfragen nicht verzichtet werden.

Schilda ist überall

Allgemein müsse die Öffentlichkeitsarbeit (nicht nur, aber auch und gerade im Hinblick auf den Radverkehr) deutlich verbessert werden, diese sei momentan leider prinzipiell sehr schlecht. Eufinger regte einen „Tag des Fahrrads“ an, es gebe vielfältige Möglichkeiten, hier aktiv zu werden. Klare Worte fand Eufinger zum Thema Stadtbahnhof. Seiner Ansicht nach habe man verkehrskonzeptionell die schlechteste aller Lösungen gefunden. Er selber habe sich im Vorfeld dafür eingesetzt, die Rahmenstraße prinzipiell nur für Busse und Taxen zu öffnen und den PKW-Verkehr komplett über die neue Alexanderstraße zu führen. Auch in die aktuelle Lösung aber hätte der Radverkehr deutlich besser eingebunden werden können. Wenn er Bürgermeister werde, so Eufinger, erhalte der Radverkehr definitiv einen größeren Stellenwert, das Auto werde im Verkehrskonzept nach hinten rücken – dieses Versprechen konnte er dem ADFC-Stammtisch klar geben. Deutliche Worte fand Eufinger auch für den Teil des Baarbachradweges, an dem zwei Brücken direkt nebeneinander gebaut wurden. Ein bisschen Schilda sei eben überall, so der Bürgermeisterkandidat.


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