Fahrradklima-Test 2020: Schlechtes Zeugnis für Metropolen in NRW

16.03.21
Kategorie: Verkehr, Mobilität, Verkehrspolitik, Aktionen

In Großstädten sind die Radwege häufig zugeparkt. Abhilfe schaffen nur strikte Kontrollen. Foto: ADFC / April Agentur


Die NRW-Großstädte mit mehr als 500.000 Einwohnerinnen und Einwohnern schneiden im bundesweiten Vergleich schlecht ab. Nur Düsseldorf schafft es ins mittlere Feld. Bremen erhält erneut das beste Ergebnis.

Köln belegt mit einer Gesamtbewertung der Fahrradfreundlichkeit von 4,37 erneut den letzten Platz unter den 14 Mega-Großstädten. Die Ruhrgebietsstädte Essen und Dortmund werden von den Teilnehmer*innen mit 4,22 und 4,35 nur minimal besser bewertet und sind mit den Plätzen 12 und 13 vor Köln am Tabellenende.  Düsseldorf schafft es zumindest auf Platz 8 mit einer Gesamtbewertung von 4,12 und rangiert im unteren Mittelfeld.

Das sind die Haupt-Kritikpunkte:
Die Radfahrerinnen und Radfahrern bemängeln in den NRW-Großstädten vor allem fehlende Kontrollen von Falschparkenden, ungünstige Ampelschaltungen für Radfahrer*innen sowie zu schmale Radwege. Auch gebe es häufig Konflikte mit Autofahrer*innen, welche besonders im Mischverkehr zu einem Gefühl von Unsicherheit führten. In Köln weisen die Teilnehmenden zudem auf die schlechte Oberfläche der Radwege und in Essen auf den fehlenden Winterdienst hin.

Viele Verbesserungsmöglichkeiten
Positiv bewerteten die Befragten hingegen die vorhandenen Leihfahrräder sowie die Öffnung von Einbahnstraßen für den Radverkehr in Gegenrichtung. Insgesamt überwiegt aber die Kritik an der kommunalen Radverkehrspolitik. Dabei könnten bereits kurz- und mittelfristige Maßnahmen zu einer deutlichen Steigerung des Komforts beim Radfahren bewirken und die Sicherheit verbessern.  Hierbei sind ein konsequentes Vorgehen gegen Falschparkende, eine klare und sichere Führung in Baustellen sowie ein schneller Winterdienst zu nennen. Um den Radverkehrsanteil am Gesamtverkehrsaufkommen signifikant zu erhöhen, braucht es aber auch möglichst schnell ein zusammenhängendes Netz aus breiten, vom Autoverkehr getrennten Radwegen.

Nur Düsseldorf nutzt Möglichkeiten der Pandemie
In einer Sonderbefragung des Fahrradklima-Tests wurden die Teilnehmer*innen auch nach den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf den Radverkehr befragt. Hierbei schneiden die NRW-Großstädte zwar besser ab, allerdings ist dies größtenteils auf die gestiegene Bedeutung des Radverkehrs zurückzuführen. Handfeste Signale der Politik für mehr Radverkehr sehen die Befragten hingegen mehrheitlich nur in Düsseldorf. Es zeigt sich also, dass die Städte mit Ausnahme von Düsseldorf die Chancen der Corona-Pandemie nicht genutzt haben.

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