ADFC startet Fahrradklimatest in der Region

09.09.20
Kategorie: Verkehrspolitik

Radfahrer können bis Ende November ihre Kommune bewerten – Votum im Internet – Umfrage wird vom Bundesverkehrsministerium unterstützt

Wie fahrradfreundlich sind die Städte der Region? Fühlen sich die Radfahrer in Bonn, in Alfter, Wachtberg, Swisttal und Euskirchen, in Siegburg, Troisdorf, Hennef, Niederkassel und Königswinter sicher? Macht das Fahrradfahren Spaß oder bedeutet es Stress, ist es sicher oder wird als gefährlich eingeschätzt? In welchem Zustand sind die Radwege? Sind überhaupt genügend Radwege vorhanden? Kann das Fahrrad sicher und geschützt abgestellt werden? Wie funktionieren die Leihradsysteme? Tun die Kommunen genug für den Radverkehr? Gibt es Pendlerrouten, Radschnellwege und radtouristische Infrastruktur? Das alles will der ADFC von den Radfahrern in den 19 Kommunen des Rhein-Sieg-Kreises, im Kreis Euskirchen und in Bonn wissen. Bis Ende November läuft der ADFC-Fahrradklimatest 2020, gefördert vom Bundesverkehrsministerium.

Abgestimmt wird im Internet. Auf der Aktionsseite www.fahrradklima-test.de gibt es einen bundesweit einheitlichen Fragebogen, den man bis zum 30. November 2020 ausfüllen kann. Beim Fahrradklimatest 2018 hatten sich in der Region über 3800 Radfahrerinnen und Radfahrer an der Bewertung beteiligt – so viele wie noch nie. In diesem Jahr könnten es noch mehr werden. „In den vergangenen zwei Jahren sind viele Menschen auf das Rad umgestiegen, wegen der vielen Staus und auch wegen des Ausbaus der Infrastruktur“, so ADFC-Vorsitzende Annette Quaedvlieg. „Und Corona hat dem Radverkehr noch einen weiteren Schub gegeben. Viele Umsteiger sehen jetzt, dass der Radverkehr viel mehr Platz braucht.“

Um aussagekräftige Ergebnisse zu erhalten, werden bei Kommunen bis 100.000 Einwohnern mindestens 50 Teilnehmer, bei Städten bis 200.000 Einwohnern 75 und bei Großstädten über 200.000 Einwohnern 100 Beteiligte benötigt. In 27 Fragen werden Sicherheit, Stellenwert und Komfort des Fahrradverkehrs, sowie die Qualität der Infrastruktur bewertet. Die Ergebnisse des Tests werden im Frühjahr 2021 erwartet.

2018 hatten sich 2097 Radfahrerinnen und Radfahrer im Rhein-Sieg-Kreis, 1664 in Bonn und 67 in Euskirchen beteiligt. 14 der 19 Kommunen des Rhein-Sieg-Kreise erreichten eine so hohe Beteiligung, dass die Datengrundlage für eine Auswertung ausreichend groß war. Allerdings zeigte das Ergebnis von 2018, dass in der Region noch viel zu tun ist. „Die Hoffnung, dass sich die Talfahrt des Kreises durch den Beitritt zur Arbeitsgemeinschaft Fahrradfreundlicher Städte, Kreise und Gemeinden stoppen oder sogar umkehren lässt, hat sich bisher leider nicht erfüllt“, bedauert Peter Lorscheid, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC im Rhein-Sieg-Kreis. Nur Meckenheim, das seit Jahrzehnten gezielt den Radverkehr fördert und über ein durchgehenden Radverkehrsnetz verfügt, hatte 2018 mit der Note 2,96 ein auch im bundesweiten Vergleich gutes Ergebnis erreicht und landete damit auf Rang 4 der bundesweit 311 Städte zwischen 20.000 und 50.000 Einwohnern. Neben Meckenheim auf Rang 4 schafften nur noch Lohmar auf Platz 75 (Note 3,66) und Niederkassel auf Platz 147 (Note 3,87) akzeptable Ergebnisse. Mit Bornheim, Königswinter, Rheinbach und Bad Honnef lagen vor zwei Jahren dagegen vier Städte des Rhein-Sieg-Kreises mit Noten von 4,5 unter den letzten 20. Nicht viel besser schlugen sich die großen Rhein-Sieg-Städte. Troisdorf, einstige Vorzeigestadt, kam nur noch auf Platz 65 (Note 4,08), Sankt Augustin kam auf Platz 71 (4,12). Trotz seiner ländlichen Lage und vielen Ortsteile schlug sich dagegen Euskirchen mit der Note 3,66 erfreulich gut. Bonn schnitt 2018 ausgesprochen schwach ab und setzte den jahrelangen Abwärtstrend fort. Die Bundesstadt verschlechterte sich 2018 gegenüber 2016 von der Note 3,9 auf 4,2 und landete damit unter den 39 Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern nur auf Rang 26.


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