ADFC fordert Test von Umweltspuren in Bonn

10.12.19
Kategorie: Verkehrspolitik

Die Politik muss die Weichen stellen – Vorbild Düsseldorf

Der ADFC fordert den Rat der Stadt Bonn auf, jetzt den Testlauf der Umweltspur auf dem Hermann-Wandersleb-Ring zu beschließen und die Verwaltung aufzufordern, dies schnellstmöglich umzusetzen. „Trotz aller Vorbehalte und Bedenken müssen den Worten nun Taten folgen. Was in Düsseldorf offenbar funktioniert, muss in Bonn jetzt wenigstens in einem kurzen Streckenverlauf – dem Hermann-Wandersleb-Ring von Provinzialstraße bis Auf dem Hügel/Frongasse – erprobt  werden“, fordert der Bonner Verkehrsplanungssprecher des ADFC, Werner Böttcher, an die Adresse der Politiker im Stadtrat, der am kommenden Donnerstag entscheidet.

Die positive Zwischenbilanz zu den Umweltspuren in Düsseldorf zeige, dass solche Umweltspuren wirklich zu einer positiven Verkehrsverlagerung führen. In Düsseldorf zählte die Stadt 150 % mehr Radfahrende und 40 % weniger Autos. Der Busverkehr wurde leicht beschleunigt, es gab weniger Unfälle. „Die ablehnende Stellungnahme der Bezirksvertretung Hardtberg geht auf die Befürchtung zurück, dass es zu verstärktem Rückstau und Schleichverkehr auf Straßen in Duisdorf und Lengsdorf kommen könnte“, so Böttcher. „Der Effekt des sich verringernden Kfz-Verkehrs bleibt dabei jedoch unberücksichtigt. Ziel zukunftsweisender verkehrslenkender Maßnahmen kann nicht ein möglichst zügiger Kfz-Verkehr sein. Es geht in Zukunft darum, den Autofahrern schnelle und zuverlässige Alternativen anzubieten. Je nach Wohn- und Zielort kann dies das Fahrrad sein, Busse und Bahnen und künftig sogar die Seilbahn zwischen Beuel und Venusberg.“

Der ADFC hat zwar Verständnis dafür, dass die Verwaltung auch auf die Einschränkungen für den Kfz-Verkehr durch die Umweltspuren in Höhe der Linksabbieger zwischen Endenicher Ei und Viktoriabrücke hinweist. Dennoch müsse die Verwaltung Lösungen erarbeiten, wie Busse und Radfahrer künftig zügig die Innenstadt und die Arbeitsplatzschwerpunkte erreichen. „Wenn man in den Autoverkehr eingreift, gibt es immer Probleme. Wer aber eine Verlagerung des motorisierten Verkehrs auf Busse, Bahnen und Fahrrad will, der muss auch in Kauf nehmen, dass es mit dem Auto nicht mehr so zügig vorangeht“, so Böttcher.

Zudem sollten Politik und Verwaltung die erforderlichen Sanierungsarbeiten auf der Endenicher Straße, den Neubau des Endenicher Eis und die Planungen für eine Westbahn nutzen, um jetzt die Weichen für eine grundlegende Umgestaltung dieser Verkehrsachse zu stellen. „Vom Rat gefasste Beschlüsse bezüglich Klimanotstand, Luftreinhaltung und Verkehrswende bleiben hohle Worte, wenn jetzt keine Taten fordern. Wenn nicht jetzt, wann will denn der Rat neue Lösungen im Verkehr ausprobieren?“, fragt der ADFC. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um Umweltspuren zu testen.


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