2020 - Das Jahr aus Sicht des ADFC NRW

16.12.20
Kategorie: Aktuelles, Presse, Rad in den Medien, Verkehr
Roter Teppich mit weißem Fahrradsymbol

Der ADFC NRW rollt für das Fahrrad den roten Teppich aus.


Thomas Semmelmann - Landesvorsitzender ADFC NRW.

Thomas Semmelmann - Landesvorsitzender ADFC NRW.



Es gibt noch zu viele "Bettelampeln".



Mehr Platz fürs Fahrrad ist dringend nötig.


Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club in Nordrhein-Westfalen blickt auf ein herausforderndes - aber erfolgreiches Jahr zurück.

Obwohl wegen der Coronapandemie viele Veranstaltungen ausfallen mussten, engagierten sich die weit mehr als 1.000 Ehrenamtlichen weiterhin stark für den Verband. Die Mitgliederzahl stieg bis zum Jahresende auf deutlich über 49.000 an. Damit hat sich das Wachstum von zuletzt rund 8 Prozent auch 2020 fortgesetzt.

Laut ADFC schätzen Mitglieder die Serviceangebote wie Pannenhilfe und Servicetipps. Viele wollten aber auch den Verband durch ihren Beitritt stärken, damit er sich für bessere Fahrradmobilität und Radverkehrspolitik in NRW engagieren kann. 

Unglaublich schwierige Vereinsarbeit im „Corona-Jahr“

Der Landesvorsitzende Thomas Semmelmann lobt das Engagement der Ehrenamtlichen des Verbands in NRW. „Sie haben in diesem Jahr eine noch bemerkenswertere Arbeit geleistet, weil das Vereinsleben wegen der Coronapandemie ganz neu strukturiert werden musste. Die persönliche Begegnung und gemeinsame Radtouren, die für den ADFC NRW so bedeutsam sind, blieben auf der Strecke. Die Aktiven haben aber verantwortungsvoll reagiert und sich neue, auch digitale, Angebote einfallen lassen.“  

Corona verstärkte Fahrrad-Boom

Durch die Coronapandemie zeigte sich seit dem Frühjahr 2020 die Relevanz und Widerstandsfähigkeit des Fahrrads als Teil einer zukunftsfähigen Mobilität. Das machte sich nicht nur am guten Umsatz des Fahrradhandels, sondern auch in einer Zunahme der Radfahrenden bemerkbar, sagt Thomas Semmelmann: „Es ist ein pandemiesicheres Fortbewegungsmittel, das zusätzlich unsere Umwelt schont und uns beim Verkehrskollaps in den Innenstädten schnell ans Ziel bringt. Aber es offenbart auch, dass das Land NRW und die Städte jetzt noch viel mehr für sichere und komfortable Radwege tun müssen.“

Erforderlich seien breite Radwege, auf denen Abstände eingehalten werden und zum Beispiel auch Lastenräder fahren können. Auch eine Vorrangschaltung für Radfahrer*innen und Fußgänger*innen würde zum Beispiel eine Gruppenbildung vor roten Ampeln verhindern.

Land und Städte blieben 2020 hinter Möglichkeiten zurück

Mit Blick auf die Radverkehrsförderung im Jahr 2020 vermisst der ADFC NRW die nötige Konsequenz und mehr Tempo beim Ausbau der Radinfrastruktur. Das Potential des Fahrrads wird weiterhin nur unzureichend ausgeschöpft. Zwar erhöhte das Verkehrsministerium die Investitionen für den Radwegebau für das kommende Jahr um 15 Millionen Euro, doch sei das angesichts der Ausgaben für Straßenbau ein Tropfen auf den heißen Stein, so der Verband.

Weiterer Knackpunkt: Fehlende Radverkehrsplaner*innen und komplizierte, zeitraubende Abstimmungsprozesse zwischen Land und Kommunen machen Radschnellwege nur im Schneckentempo möglich. Der RS1 sei der beste Beweis dafür. Er sollte im zurückliegenden Jahr auf den 101 Kilometern zwischen Duisburg und Hamm fertiggestellt sein, bleibt aber noch jahrelang ein Flickenteppich.

ADFC NRW setzt 2021 große Hoffnungen in Fahrradgesetz

Thomas Semmelmann, der Landesvorsitzende des ADFC-NRW: „Das, was wir erleben, erinnert ein wenig an den Bau des Berliner Flughafens BER. Was wir brauchen, ist eine konsequente Radverkehrsförderung des Landes und der Kommunen. Darum haben wir hohe Erwartungen an das Fahrradgesetz, dessen Entwurf Anfang 2021 vorgestellt wird. Es muss die Städte dazu befähigen, mehr Platz fürs Rad zu schaffen, damit die Potentiale des Radverkehrs ausgeschöpft werden. Radfahren muss endlich attraktiv und sicher werden. Dass das schnell und preiswert geht, machen uns ja unsere europäischen Nachbarn vor. Sehen wir einfach rüber in die Niederlande oder nach Kopenhagen, Paris, London und Barcelona. Wir   ermutigen die Politiker*innen bei uns in Nordrhein-Westfalen diese Ideen umzusetzen.“

Lobbyarbeit des ADFC NRW in 2020 trägt Früchte: 

Fahrradklimatest – Teilnahmerekord: Mehr als 60.000 Menschen aus NRW beteiligten sich 2020 am ADFC-Fahrradklima-Test, zu dem alle zwei Jahre Bundesverkehrsministerium und ADFC aufrufen. Dabei bewerteten sie Komfort und Sicherheit des Radfahrens in ihrer Stadt. Die Ergebnisse werden gerade ausgewertet und im Frühjahr bekannt gegeben. Schon jetzt steht fest, dass sich rund 20.000 Menschen mehr daran beteiligt haben als beim letzten Mal 2018.  Mit 244 NRW-Städten sind diesmal auch viel mehr Kommunen in der Auswertung (FKT 2018: 166).

Die Bedeutung des Fahrrades als Transport- und Fortbewegungsmittel und Teil des betrieblichen Gesundheitsmanagements nimmt in den Unternehmen zu. Die Zahl der Fahrradfreundlichen Arbeitgeber ist im zurückliegenden Jahr bundesweit auf mehr als 100 angestiegen. Davon kommen mehr als ein Drittel aus NRW, darunter sogar Kommunen und Kreise.  Der Tierfutterhersteller MERA aus Kevelaer ist deutschlandweit der 100. Betrieb, der vom ADFC als Fahrradfreundlicher Arbeitgeber zertifiziert wurde.  

Mit Fahrrad-Demos in 21 NRW-Städten haben sich am Weltkindertag im September mehr als 6.000 Kinder und Familien an der bundesweiten Kidical Mass beteiligt.

NRW ist das „Radentscheid-Land“. Nach der landesweiten Volksinitiative Aufbruch Fahrrad 2019, begannen als Kettenreaktion 2020 zahlreiche kommunale Radentscheide und haben  die Kommunalwahl durch das Thema Verkehrswende entscheidend geprägt. Inzwischen gibt es mehr als 120.000 Unterschriften für lokale Bürgerbegehen für mehr und bessere Radmobilität in verschiedenen NRW-Städten. Vier Radentscheide sind bereits in der Umsetzung (Aachen,  Bielefeld, Essen und Marl), andere im politischen Prozess (Bonn),  bei der Unterschriftensammlung (Detmold) oder in Vorbereitung (Bochum, Mönchengladbach, Paderborn, Rheinbach).

 


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