ADFC NRW lehnt Helmpflicht für Pedelecs ab

27.01.12
Kategorie: Presse, Verkehr
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Soll auch weiter erlaubt bleiben: Pedelec fahren ohne Helm. Foto: www.r-m.de | pd-f


Fahrradlobby wendet sich gegen „nicht belegbare Behauptungen der Versicherungswirtschaft“ auf dem Verkehrsgerichtstag

[Düsseldorf] Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club Nordrhein-Westfalen (ADFC NRW) wendet sich gegen die Einführung einer Helmpflicht für Pedelecs, wie sie der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft auf dem Verkehrsgerichtstag in Goslar gefordert hat. Das behauptete erhebliche Unfallrisiko sei eine in keiner Weise belegbare Behauptung, da die aktuellen Unfallstatistiken hierzu überhaupt keine Daten beinhalten.

Pedelecs im engeren Sinne sind Fahrräder mit Elektrounterstützung bis 25 km/h und einer Leistung von maximal 250 Watt. Nur wenn der Radler in die Pedale tritt, hilft ihm ein kleiner Elektromotor, der aber spätestens bei 25 km/h seine Unterstützung komplett einstellt. Diese Pedelecs sind europaweit rechtlich den Fahrrädern gleichgestellt und beherrschen mit rund 95 Prozent den deutschen Elektrorad-Markt. Besonders ärgerlich findet der ADFC NRW die Tatsache, dass hier „zum wiederholten Mal“ die Pedelecs bis 25 km/h mit den bis 45 km/h schnellen E-Bikes vermengt werden. Letztere unterliegen schon heute der Fahrerlaubnis- und Versicherungspflicht, sind aber mit ihren Versicherungskennzeichen eine seltene Erscheinung auf deutschen Straßen.

Nach Aussage des ADFC NRW-Vorsitzenden Thomas Semmelmann bieten Pedelecs große Chancen für eine umweltfreundlichere Mobilität. „Trotz aller staatlichen Förderprogramme für Elektroautos kommen derzeit auf jedes Elektroauto weit über hundert Pedelecs. Damit werden vielfach lange oder durch Steigungen anstrengende Strecken per Rad zurückgelegt, für die früher das Auto benutzt wurde.“ Bei Einführung einer Helmpflicht befürchtet Semmelmann einen massiven Rückgang der bislang unkomplizierten Pedelec-Nutzung. „Dann wird wieder mehr Auto gefahren, zum Schaden Aller,“ so Semmelmann.

Auch tritt der ADFC dem Eindruck entgegen, Pedelecs seien primär Fahrzeuge für besonders schutzbedürftige alte Leute. Die modernen Pedelecs hätten die „Reha-Ecke“ längst verlassen und würden zunehmend von jungen Leuten genutzt, die damit gerne nach längerer Fahrt unverschwitzt im Anzug ihren Arbeitsplatz erreichen. Dieser Trend wird nach Ansicht des ADFC NRW auch längerfristig anhalten und dauerhaft immer mehr Menschen für das Rad gewinnen - vorausgesetzt es bleibt bei der unkomplizierten Regelung, die Pedelecs rechtlich den ebenso schnellen Fahrrädern gleichsetzt.

Kopfschütteln erntete bei den Fahrradexperten der Hinweis auf Rahmenbrüche bei Billig-Pedelecs als Begründung für eine Helmpflicht. „Wer so argumentiert, der wird auch eine Schwimmwestenpflicht für die Nutzer maroder Brücken fordern, statt diese zu sanieren,“ so der ADFC NRW-Vorsitzende. Nötig sei stattdessen die längst überfällige Einführung ausreichender strenger Qualitätsnormen für Pedelecs. Die solle man im Übrigen im Fachhandel erwerben, statt im Supermarkt fragwürdige Billigprodukte zu kaufen.

Weitere Informationen zum Thema Pedelecs (einschließlich Rechtslage) unter:

http://www.adfc.de/pedelecs/uebersicht---pedelecs

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