Die Korkenziehertrasse

 

aktualisiert Mai 2012

Karte

Eine schöne Übersichtskarte (pdf-Format, 3,9 MB) findet man auf den Seiten der Stadt Solingen. Auf ihr sind auch alle Zugänge zur Trasse und die meisten der unten beschriebenen Sehenswürdigkeiten enthalten.

Geschichtliches

Zwischen Wuppertal Vohwinkel und Solingen Hauptbahnhof gab es von 1887 bis zur endgültigen Stilllegung 1995 eine Nebenbahn.  Bedingt durch die topographischen Gegebenheiten war es eine relativ lange Strecke, die in einem Doppel-S eine Verbindung zwischen dem ehemaligen Solinger Hauptbahnhof und Wuppertal- Vohwinkel über Schlagbaum, Wald und Gräfrath herstellte. Unter Berücksichtigung der langen Linienführung erstaunt es nicht, dass die Bedeutung der Strecke im Personenverkehr nie besonders hoch war. Bereits 1942 wurde der fahrplanmäßige Personenverkehr eingestellt. Zunächst wurde die Strecke dann noch für Gütertransporte genutzt, 1958 aber zwischen Wald und Gräfrath schon stillgelegt. Der Abschnitt Gräfrath- Vohwinkel folgte 1989, der Südast bis Wald 1995.

 

An der Solinger Stadtgrenze endet die Trasse an einem schön gestalteten Platz zum Ruhen und Rasten. Leider ist der Weg Richtung Wuppertal durch L 357 und A 46 verbaut, die vorhandenen Tunnel sind zu klein.

Der heutige Zustand

Im Zuge der Regionale 2006 wurde die Idee einer Rad- und Fußverbindung auf dieser ehemaligen Eisenbahnstrecke zur Realität. Vom der Abzweigung der Korkenziehertrasse aus der Strecke des „Müngsteners“ (Solingen- Ohligs über die Müngstener Brücke nach Remscheid) am ehemaligen Solinger Hauptbahnhof bis zur Stadtgrenze Solingen/Haan entstand eine 11 km lange Verbindung, die nach dem inzwischen erfolgten Neubau von zwei Brücken über größere Straßen heute nur noch eine Hauptverkehrs- und zwei Nebenstraße sowie wenige kleinere Wege kreuzt. Das "Vohwinkeler" Ende ist etwas schwierig zu finden. Die L 357n zwischen Haan-West und SG- Gräfrath trifft etwa 500 m nach der Autobahnausfahrt auf die Straße Westring (alte L 357). Kurz vor dieser Ampel steht auf der Südseite am Rad- und Fußweg ein Hinweisschild mit Infos zur Korkenziehertrasse, hier führt eine Rampe zum tiefer liegenden Trassenende.

Die vermutlich größte Solinger Kreuzung am Schlagbaum wird völlig unbemerkt in einem kurzen Tunnel unterquert. An einer Stelle der Trasse war bei der Errichtung die Strecke allerdings schon unterbrochen, da die Grundstücke der Bahntrasse zum Teil bereits an eine Firma verkauft waren. Die hier gebaute kurze Unterführung mit extrem steilen Rampen und scharfen Kurven ist unübersichtlich und so gefährlich, dass ein schwerer Unfall eigentlich nur eine Frage der Zeit zu sein scheint.

Im innerstädtischen Streckenabschnitt ist inzwischen über Sponsoring ein Teil der Strecke beleuchtet seit Mai 2012 auch im Streckenabschnitt Botanischer Garten- Schulzentrum. Der Oberflächenbelag  der Strecke besteht nur noch in kleinen Teilen aus Terraway, einem ähnlich wie Asphalt befahrbaren, aber wasserdurchlässigen Stoff. Ein großer Teil der Strecke ist inzwischen mit klassischem Asphalt überzogen, da der Terrawaybelag schon nach kurzer Zeit massive Verschleißspuren zeigte.

Die bereits beschriebene lange Linienführung bietet für Radfahrer die Möglichkeit, große Teile des Solinger Stadtgebiets mit relativ kurzen Zufahrten von der Korkenziehertrasse aus zu erreichen. Eine große Zahl von Zufahrten zur Strecke in den Stadtteilen Gräfrath, Wald und dem Bogen östlich um die Innenstadt sorgt dabei auch für eine sehr gute Annahme der Strecke durch die Solinger Bevölkerung. An schönen Sommerwochenenden wird es besonders Nachmittags auch schon mal so voll, dass Fahrradfahren eher zum Slalom zwischen Fußgängern ausartet, zügiges Fahren oder gar überholen ist dann insbesondere zwischen Wald und dem Südende fast ausgeschlossen.

Erfreulicherweise wurde bei der Gestaltung darauf geachtet, an die ehemalige Nutzung als Eisenbahn zu erinnern. Mit einfachen Gestaltungselementen und der Verwendung eisenbahntypischer Materialien wurde die Vergangenheit sichtbar gemacht. Besonders gelungen ist das Nordende nahe der Autobahnauffahrt Haan- West. Hier endet die Strecke zünftig an einem Prellbock, die Gestaltung des Platzes ist eine gelungene Symbiose von Bahnelementen und modernem Design.

Zwischen Gräfrath und Wald lädt ein großer Spielplatz Familien zum Verweilen ein.

Anbindung

Die Korkenziehertrasse stellt im Bergischen Trassenverbund eine zentrale Verbindung zwischen der Nordbahntrasse mit ihren drei Anbindungen zur Ruhr sowie den südlichen Fortsetzungen über Balkan-Express und Wasserquintett-Radweg  dar. Vom nördlichen Ende gibt es ebenfalls gute Anbindungen nach Düsseldorf, über die Route „Düsseldorf-Express“  ist der Unterbacher See nur etwa 30-45 Minuten entfernt. Bei Anfahrt mit der Bahn bietet sich der Ausstieg in Wuppertal-Vohwinkel (RE 4 und 13, RB 48 sowie S 8 und S 9) nahe dem nördlichen und in Solingen-Mitte (RB 47) am südlichen Ende an.

Bereits fertiggestellt ist die Verbindung zur Niederbergbahn über Wülfrath, Velbert und Heiligenhaus bis Essen- Kettwig.

Ab dem Wibbeltrather Weg an der Wuppertaler Stadtgrenze ist der Anschluss zur Nordbahntrasse, die fast am Vohwinkeler Bahnhof endet, ist mit geringem Aufwand über ein Stück der Korkenziehertrasse auf Wuppertaler Stadtgebiet und dann entlang des Gewerbegebiets VohRang herzustellen.

Komplizierter ist die Schaffung des Anschlusses nach Lennep zu Wasserquintett- Radweg und Balkantrasse, da zwischen Remscheid und Solingen das Tal der Wupper zu überqueren ist. Von Solingen aus bot sich die Trasse der ehemaligen Ronsdorf- Müngstener Eisenbahn hinab nach Müngsten an. Der Ausbau dieser ehemaligen Straßenbahn- und Kleinbahnstrecke mit etwa 4 % Neigung ist inzwischen erfolgt. Die Strecke zweigt etwa 1,5 Kilometer vor dem südlichen Trassenende in der Eckstraße ab ist gut ausgeschildert.  Für diese Trasse haben wir eine eigene Seite unter dem Titel "Solinger Bergbahn"

© Stadt Solingen- Wir danken der Stadt Solingen für die Erlaubnis zur Nutzung der Karte. Die Verbindung zwischen der Korkenziehertrasse und Müngsten ist seit Oktober 2010 ebenfalls befahrbar.

Auf der anderen Seite der Wupper wird es allerdings komplizierter. Der direkte Anstieg nach Remscheid ist bisher aus dem Tal der Wupper oder über das Morsbachtal nur über Straßen mit mittlerer oder höherer Verkehrsbelastung und ohne Radweg oder Schutzstreifen möglich. Außerdem gibt es nur Streckenführungen mit erheblichen Steigungen, nach einer kurzen Führung über die Trasse des Werkzeugs bis in die Remscheider Innenstadt ist eine geeignete Führung weiter nach Lennep ebenfalls schwierig. Als Alternative bietet sich daher eine Führung durch das Tal der Wupper bis Burg und dann der Anstieg Richtung Lennep durch das Eschbachtal an. Die Steigung ist moderater, auch hier ist aber noch einige Ausbauarbeit zur Anpassung an die Radverkehrsbedürfnisse notwendig.

Eine Tour vom Vohwinkeler Trassenende über Korkenziehertrasse und alte Straßenbahntrasse finden sie unter dem Titel "Der Bergische Trassenverbund: Ein Blick in die Zukunft" unter den "Touren auf eigene Faust".

Die neue Brücke über die Wuppertaler Straße wirkt filigran.

Sehenswertes

Entlang der Korkenziehertrasse gibt es zahlreiche interessante Plätze oder Einrichtungen, die zu einem Zwischenstopp einladen

Historische Altstadt Gräfrath

Nur wenige Meter von der Trasse entfernt, zu erreichen ab dem verfallenden Denkmal des ehemaligen Gräfrather Bahnhofs, befindet sich die Altstadt de Stadtteils Gräfrath. Typisch Bergische Schieferhäuser gruppieren sich idyllisch um den alten Marktplatz,  eine größere Anzahl an Kneipen, Cafés und Restaurants lädt zum Verweilen ein. Im Sommer sind alle Lokale mit Biergärten ein lebendiger Treffpunkt.

Klingenmuseum

Eine lange Treppe führt vom Marktplatz hinauf zum ehemaligen Augustiner-Kloster, in dem heute das Deutsche Klingenmuseum untergebracht ist. Solingen ist die Stadt, deren Name weltweit einen Ruf als Herkunft erstklassiger Schneidwaren genießt. Hier wird die spezielle Schneidwarengeschichte ausgestellt. Sonderausstellungen ergänzen das Angebot.

Museum Baden

Nur wenige Meter südlich des Gräfratherer Bahnhofs kreuzt die Trasse das einzige mal eine größere Straße nicht kreuzungsfrei. Hier passiert man das ehemalige Gräfrather Rathaus, in dem heute das Solinger Kunstmuseum, das Museum Baden, untergebracht ist. Es stellt Werke der Städtischen Kunstsammlung und insbesondere Werke der unbekannten Moderne aus.

Alte Gesenkschmiede Hendrichs

Ebenfalls nicht allzu weit entfernt von der Trasse, an der Meerscheider Straße 289-297, liegt eine Ausstellungsstätte des Rheinischen Industriemuseums, die Gesenkschmiede Hendrichs.. Es ist ein weitgehend erhaltener Industriebetrieb, in dem früher Scheren hergestellt wurden. Ein Museum nicht nur zum angucken, sondern immer wieder auch mit Möglichkeiten insbesondere für Kinder und Jugendliche, Abläufe durch Experimente zu begreifen.

Botanischer Garten und Biologische Station Mittlere Wupper

Direkt an der Trasse liegt der Botanische Garten der Stadt Solingen, der für interessierte Pflanzenliebhaber einen Besuch lohnt. Unmittelbar am Botanischen Garten ist auch die Biologische Station Mittlere Wupper untergebracht, die wichtige Arbeit im Umweltschutz des Bergischen Städtedreiecks leistet und immer wieder auch interessante Veranstaltungen anbietet.

Südliche Innenstadt

Das im Rahmen der Regionale 2006 wiederbelebte und modernisierte Gebiet hat heute viel zu bieten.

Forum Produktdesign

Im ehemaligen Solinger Hauptbahnhof, einem "Neubau" aus den frühen 50'er Jahren des letzten Jahrhunderts mit viel Glas, ist seit der Restaurierung zur Regionale 2006 das Forum Produktdesign, eine Ausstellungshalle für Wechselausstellungen mit dem Schwerpunkt Design untergebracht. Ebenfalls im gleichen Gebäude befinden sich das Bergische Institut für Produktentwicklung und Innovationsmanagement, ein An-Institut der Bergischen Universität Wuppertal, sowie ein Restaurant.

Museum Plagiarius

Nachahmung und Fälschung sind ein enormes Problem für die heimische Wirtschaft. Die Solinger Schneidwarenindustrie ist doppelt von Fälschungen betroffen: Sie kosten Umsatz, drücken Preise und schädigen dann auf Grund minderwertiger Qualität auch noch noch den Ruf der Marken. Im Museum Plagiarius wird alles rund um Produktfälschungen ausgestellt.

Güterhallen

Das Gelände rund um den Bahnhof hat auch im Bereich der ehemaligen Güterhallen einen beeindruckenden Nutzungswandel erfahren. Heute sind diese Hallen durch Ateliers und Galerien ein neuer künstlerischer Anziehungspunkt. Viele Ausstellungen und Aktionen finden statt

Nicht mehr direkt an der Korkenziehertrasse, aber gut von ihr aus erreichbar und an der Fortsetzung des Trassenverbundes nach Süden liegen zwei touristisch wichtige Attraktionen des Bergischen Landes.

Müngstener Brücke und Brückenpark

Die auch 110 Jahre nach ihrem Bau noch immer höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands fasziniert auch heute noch ihre Besucher. Die aus der Ferne filigran wirkende Stahlbrücke überspannt in einem weiten Bogen die Wupper in 107 m Höhe und verbindet mit einer 2-spurigen Eisenbahnstrecke die Städte Solingen und Remscheid. Kommt man der Müngstener Brücke näher, werden erst die gigantischen Ausmaße des Bauwerks deutlich, dass übrigens bei der Überfahrt von Zügen angeblich bis zu einem Meter schwanken soll, was man in der Bahn aber nicht merkt.

Unter der Brücke ist in den letzten Jahren mit dem Brückenpark auf dem Gelände vorher als Parkraum genutzter Flächen ein beliebtes Ausflugziel entstanden. Parkraum ist an jedem schönen Wochenende knapp, die Anreise mit dem Rad daher besonders empfehlenswert. Aus allen Nähten platzt der Brückenpark bei den etablierten Festen „Brückenzauber“ und „Brückenfest“.

Schloss Burg

Ein ehemaliger Stammsitz der Grafen von Berg ist die größte erhaltene Burganlage in NRW. Sie liegt hoch über dem Ort Unterburg mit vielen typisch bergischen Fachwerk- und Schieferhäusern. Über eine sehr steile Straße oder mit einem Sessellift gelangt man hinauf in die öffentlich zugängliche Burg, in der neben einem dauerhaft zu besichtigenden Museum gibt. Verschiedene Veranstaltungen von mittelalterlichem Fest bis Weihnachtsmarkt finden hier ebenfalls statt. 

Interessante Links

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