aktualisiert Oktobber 2011

Karte

Eine Karte der Strecke (6,23MB)  finden Sie auf der Seite des RVR (Regionalverband Ruhrgebiet).

Dem Bahnhof Schee sieht man an, dass er einst ein bedeutender Umschlagpunkt war. Der letzte Zug ist aber lange abgefahren, und heute ist hier eine Wohnidylle entstanden.
Foto: Klaus  Lang

Geschichte

Zwischen Wupper und Ruhr liegt die eigentliche Wiege des Ruhrgebiets, dessen Siedlungsraum sich heute überwiegend zwischen Ruhr und Emscher erstreckt. Gab es im Bergischen schon eine vor- und frühindustrielle Blütezeit durch die Nutzung von Wasser und Wasserkraft, stieg das Ruhrgebiet erst mit der wachsenden Bedeutung von Kohle als Energieträger ab dem 19. Jahrhundert auf. Diese Kohle war in schräg in die Erde hinein verlaufenden Kohleflözen gelagert, die im Süden, einige Kilometer nördlich der Wupper, die Oberfläche erreichten, nach Norden dann aber immer tiefer unter der Erdoberfläche versinken. So begann der Abbau von Kohle anfangs noch im Tagebau und in einfachen, von oben zugänglichen Stollensystemen in der Region zwischen Sprockhövel, Haßlinghausen Witten. Nach Ausbeutung der oberflächennahen Lagerstätten wanderte der Bergbau dann Nordwärts, durch den vor allem von Eisen- und Stahlindustrie, aber auch für Eisenbahn und Stromerzeugung wachsenden Energiehunger wurden die Abbaumengen immer gewaltiger und die Zechen größer. So wundert es nicht, dass die Spuren des Bergbaus in den Kleinbetrieben aus Vor- und Frühindustrieller Zeit nicht auf den ersten Blick sichtbar sind.

Die Kohlenbahn stammt aus dieser Zeit. Sie verband Wuppertal mit Hattingen. In Schee zweigte eine Stichstrecke nach Silschede ab. Die Kohlenbahn stellte die Transporte von Kohle aus den damals neu entstehenden Abbaugebiete mit sicher und wurde auch für den Transport benötigten Materialien genutzt. In Betrieb genommen 1884, wurde um 1900 herum ein enormer Verkehr auf der Strecke abgewickelt. Nach Ende des Bergbaus verlor die Bahn dann aber schnell an Bedeutung, da nicht nur die Gütertransporte, sondern auch der Personenverkehr massiv nachließen. So kam die Stilllegung der Strecke schon im Jahr  1979 im Personen- und 1984 im Güterverkehr.

in Schee beginnen beide Trassen der Kohlenbahn. Rechts nach Silschede hält man die Höhe für viele Kilometer,

Der heutige Zustand

Eigentlich handelt es sich hier ja um zwei Trassen. Auf Grund der gemeinsamen Geschichte wollen wir sie aber zunächst gemeinsam betrachten. Auf der Trasse der Kohlenbahn in Richtung Hattingen entstand der erste Radweg auf einer umgewidmeten Bahntrasse. Er wurde bereits 1989-1992 zu großen Teilen in Betrieb genommen. Knapp südlich des heute in Privatbesitz befindlichen Bahnhofs Schee startet er mit der Gabelung zwischen der Hattinger Bahn und der Strecke nach Silschede, welche zwischen 2001 und 2008 in Etappen ebenfalls zum Radweg ausgebaut wurde.

Die Hattinger Strecke verläuft in Nord-Süd-Richtung über etwa 13 km mit geringem Gefälle immer am Rande eines Tals, zunächst durchquert man Sprockhövel. Ein Wechsel von Waldstücken und offenen Landschaftsräumen mit landwirtschaftlichen Nutzflächen macht die Fahrt abwechslungsreich. Seit 2008 wird Hattingen durch den Schulenburgtunnel erreicht, eine vorher nötige Umfahrung auf viel befahrenen oder steilen Straßen ist nicht mehr nötig. Inzwischen ist glücklicherweise auch die anfängliche Schließung des Tunnels nach Einbruch der Dunkelheit Vergangenheit. Im Oktober 2011 hat der RVR den noch fehlenden Anschluss in Richtung Ruhr freigegeben. Von der Grünstraße geht es jetzt noch 800 m weiter auf der Bahntrasse bis zur Nierenhofer Straße, von hier bis zur Ruhr ist es dann nur noch ein Katzensprung.

Zwischen Schee und Silschede bieten sich immer wieder offene Blicke ins Bergische Land.
Foto: Achim Bartoschek
Vorbildliche Vorsorge für den Nofall: Rettungskräften muss nur die Zahlenkombination der in kurzen Abständen angebrachten SOS-Tafeln durchgegeben werden, damit diese schnell zum Einsatzort finden.
Foto: Klaus Lang

Die Strecke nach Silschede zweigt direkt am Bahnhof Schee ab. Sie führt über den Höhenrücken zwischen Ruhr und Wupper ohne wesentliche Höhenunterschiede 9 km weit ostnordöstlich nach Silschede. Kurz nach der Gabelung am Bahnhof Schee muss einmal die alte Bahntrasse verlassen werden. Auf einem neu erbauten Weg mit etwa 15 m Höhenunterschied wird ein bereits in Privatbesitz befindliches fehlendes Trassenstück umfahren. Später genießt man viele schöne Ausblicke und eine Wechsel zwischen Wald und offenen Landschaften. Immer wieder verläuft die Trasse auch in Einschnitten, die durch alte restaurierte Steinbrücken überquert werden. Nördlich von Silschede an der L 527 endet der Weg.

Beide Strecken sind als gemeinsamer Rad- und Fußweg ausgebildet. Die Wege sind etwa 3 m breit und mit einer wassergebundenen Oberfläche ausgestattet. An verschiedenen Stellen haben sich Gastronomiebetriebe auf den zunehmenden Freizeitverkehr eingestellt. Auf diesen Strecken haben wir vermutlich auf Grund der Lage etwas außerhalb des dicht besiedelten Stadtgebiets auch an schönen Sommertagen bisher immer eine erträgliche Frequentierung erlebt. Trotzdem muss auch hier dringend die gegenseitige Rücksichtnahme zwischen Radfahrern und Fußgängern eingefordert werden.

Die Kohlenbahn erschließt das Niederbergische. Sie ist auch im Herbst mit wundervollen Farbenspiel in den Mischwäldern und im Winter bei unbelaubten Waldern mit schönen Fernblicken einen Ausflug wert.
Foto: Achim Bartoschek

Anbindung

Die Trassen der Kohlenbahn erlauben für sich bereits schöne Rundtouren, in Verbindung mit dem Ruhr-Radweg sind schöne Touren von 45 - 60 km möglich. Ausgeschildert ist bereits eine Rundtour "Von Ruhr zu Ruhr", die allerdings zur Zeit zwischen Silschede und Witten-Wengern noch auf auch vom Autoverkehr genutzten Straßen verläuft. Hier gibt es zum Teil Steigungen, die weit über das bei Bahntrassenradwegen übliche Maß hinausgehen.

Anschluß über Bahntrassen

In Hattingen und in Witten-Wengern hat man eine Anbindung an den Ruhr-Radweg, der sich als Verbindung für die Fortsetzung einer Runde über den anderen Trassenast zurück zum Ausgangspunkt anbietet. Auch die Strecke an der Ruhr entlang führt teilweise über eine alte Bahntrasse, nämlich ein Gleis der ehemaligen Märkischen Eisenbahn durchs Ruhrtal. Teile der Strecke sind noch in Betrieb, aber der Abschnitt zwischen Witten Wengern und Hattingen wird nur noch auf einem Gleis von einer Museumseisenbahn befahren, auf dem zweiten Gleis läuft heute der Radweg.

Noch nicht realisiert sind die Anbindungen über einige weitere Bahntrassen. So soll die Kohlenbahn an das Bahntrassen-Radwegnetz in Wuppertal über Nächstebreck und durch den Schee-Tunnel in Richtung Nordbahn erfolgen. Im Zusammenhang mit dem "Tourismuscall" des ZIEL2-Programmes wurde von der Wuppertalbewegung die Finanzierung gesichert. Da aus Naturschutzgründen immer noch nicht klar ist, unter welchen Rahmenbedingungen die Strecke gebaut wird, dürfte es bis zur durchgehenden Trasse noch ein paar Jahre dauern.

Erreichbarkeit von Wuppertal aus

Von Wuppertal erreicht man die Trasse daher bisher nur über das allgemeine Straßennetz. Relativ leicht zu finden ist die Strecke über den Golfplatz am Golfhotel Juliana. Man fährt von der L 432 (Mollenkotten) durch die Straße Frielinghausen hinab zum Golfclub Juliana, lässt Clubgelände und Parkplatz links liegen und folgt dem Weg weiter abwärts durch ein kleines Wäldchen und entlang einer Spielbahn bis fast an die alte Bahntrasse. Von hier zweigt nach links parallel zur Bahntrasse die Eisenbahnstraße ab, dieser folgt man bis zum Ende, um dann rechts durch die Straße "Auf dem Schee" zum Bahnhof Schee und etwa 200 m nördlich des Bahnhofs zum Beginn der Bahntrasse zu gelangen. Von hier aus nach links gelangt man übrigens nach Alter Schee (s. "Sehenswertes").

Von Silschede aus soll es zwei Fortsetzungen auf alten Bahntrassen geben. Richtung Ruhr soll der Weg über die Elbschetalbahn geführt werden. Diese Strecke unterquert in einem Tunnel etwa 50 Höhenmeter tiefer die Kohlenbahn knapp östlich von Silschede und geht dann durch bis zur Ruhr. Heute muß man diesen Streckenabschnitt noch über öffentlich zugängliche Straßen und Wege zurücklegen. Für den bis etwa 2012 vorgesehenen Abstieg zur Elbschetalbahn muß aber noch eine überzeugende Lösung gefunden werden.

Foto: Achim Bartoschek
Tunnel für Fahrradverkehr sind immer ein Highlight. Seit 2008 ist der Schulenburgtunnel für Radfahrer geöffnet und erspart den Weg über stark befahrene und steile Straßen.
Foto: Presse- und Informationsbüro der Stadt Hattingen

Die heutige Situation führt zwar zu mancher Steigung und einigen stark von Autos befahrenen Streckenabschnitten, passiert aber auch Strecken mit wunderbaren Fernblicken ins Ruhrgebiet und Sauerland. Als Verbindung bietet sich der gut ausgeschilderte Radweg "Von Ruhr zu Ruhr" (RZR) an. Unsere Empfehlung: Am Ende der Straße "Hülsenweg" biegt der Radweg RZR nach links ab in die Albringhauser Straße. Diese Führung vermeidet größere Höhenunterschiede und ist zur Vermeidung anstrengender Passagen gut geeignet. Fahren sie jedoch geradeaus durch die Straße "Am Böllberg"und folgen hier der Kennzeichnung "EN 4", so wird der steile Anstieg um ca 45 Höhenmeter bei guter Sicht mit gradiosen Weitblicken ins Ruhrgebiet, Richtung Dortmund und ins Sauerland belohnt. Folgt man der Straße weiter, trifft man beim Übergang in die Straße "Im Loh" wieder auf den von links kommenden RZR und folgt ihm geradeaus Richtung Wengern.

Ebenfalls von Silschede aus soll es eine Fortsetzung in Richtung Hagen Haspe über die ehemalige Hartkortsche Kohlenbahn geben. Einige Stücke dieser ältesten Bahntrasse im Umfeld der Kohlenbahn sin heute bereits als Radweg zu befahren.

Anreise per ÖPNV

Da die Runden schon ab Schee rund 50 - 60 km betragen, auch den Anreisehinweis per ÖPNV. Die Mitnahme von Fahrrädern in Bussen ist zulässig, so lange genug Platz vorhanden ist. Außerhalb der Stoßzeiten ist das auf den genannten Strecken im allgemeinen möglich. allerdings sind die Transportkapazitäten in einem Bus auf etwa 2-3 Fahrräder beschränkt. Kommen Kinderwagen hinzu, wird's eng. Für das Rad braucht man zusätzlich zum Fahrschein ein Zusatzticket. Mit Ticket 2000, Young Ticket Plus, Semesterticket, Bärenticket und Firmenticket darf pro Ticket ein Fahrrad kostenlos mitgenommen werden. 

Aus Richtung Barmer Bahnhof/ Alter Markt fährt man mit der Buslinie 332 Richtung Hattingen bis zur Haltestelle Rottenberger Weg, dann durch den Rottenberger Weg etwa 300 m bis zum Trassenanfang. (ab Wuppertal Preisstufe B)

Aus Richtung Oberbarmen nimmt man die Linie 602 Richtung Haßlinghausen/Busbahnhof bis zur Haltestelle Schmiedestraße. Von dort durch die Straße Mollenkotten bis zum Frielinghauser Weg, weiter wie oben beschrieben (ab Wuppertal Preisstufe A).

Aus Richtung Langerfeld und Langerfeld S-Bahnhof erreicht man mit der Linie 606 Richtung Nächstebreck/ Erlenrode ebenfalls die Haltestelle Schmiedestraße. Von dort durch die Straße Mollenkotten bis zum Frielinghauser Weg, weiter wie oben beschrieben (ab Wuppertal Preisstufe A).

Sehenswertes

Altstadt Hattingen, Kirchplatz. Dank ans Presse- und Informationsbüro der Stadt Hattingen für das Foto
Dank ans Presse- und Informationsbüro der Stadt Hattingen für das Foto

Alter Schee

besonders idyllische Ansammlung von Höfen und Fachwerkhäusern in typisch bergischer Bauweise. Nicht ohne Grund steht ein großer Teil der Mini-Ortschaft unter Denkmalschutz.

Altstadt Hattingen

Im Gegensatz zu den nördlich der Ruhr liegenden eher trostlosen Innenstädten der später entstandenen und im 2. Weltkrieg immer wieder bombardierten Industriestädte ist in Hatttingen eine besuchenswerte verwinkelte Altstadt mit viel Fachwerkarchitektur erhalten geblieben. Ein idealer Platz für eine ausführliche Pause.

Henrichshütte

1987 wurde trotz verzweifeltem Kampf der Belegschaft die Henrichshütte in Hattingen stillgelegt. Über 10.000 Menschen hatten früher dort gearbeitet. Der gigantische Komplex ist heute Teil des Westfälischen Industriemuseums des Landschaftsverbands. In kleinem Umfang kann heute auch die Arbeit der Eisengießerei wieder besichtigt werden, die zu Demonstrationszwecken reaktiviert wurde. Ein Besuch lohnt sich. 

interessante Links zur Kohlenbahn

Einzelheiten über die ehemaligen Bahnstrecken auf Achim Bartoscheks Seite bahntrassenradeln.de

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