Balkan-Express

An den Zugangspunkten gibt es jeweils Hinweise zu Zielen und eine Infotafel (hier an der Abfahrt zur Eschbachtalsperre)
Dieses Loch ist inzwischen geschlossen. Am 9.2.12 wurde bei 12° unter Null die Brücke eingesetzt und schloss damit ein weiteres Loch in der Trasse (die Übergänge sind anders als auf dem Foto inzwischen längst ausgebaut)
Zwischen Wermelskirchen und Hilgen fehlen drei Brücken, die Trasse weist daher ein paar Wellen auf

aktualisiert Juni 2012

Von Remscheid- Lennep oder genauer ab Bergisch Born über Wermelskirchen, Burscheid nach (Leverkusen)-Opladen führte eine Eisenbahn- Nebenstrecke, die schon früh von der Bahn vernachlässigt und etappenweise aufgegeben wurde. Die Verbindung hatte im Volksmund den Namen Balkan- Express. Sie stellt heute eine ideale Ergänzung des Bergischen Trassenverbundes in den Kölner Raum dar und erweitert das Netz bedeutend.

Schon früh hatte Achim Bartoschek vom ADFC Leverkusen die Idee zur Nutzung der Trasse als Radweg, stieß aber anfangs auf durchweg taube Ohren. Durch die Möglichkeiten des Programms "Alleen-Radwege" und die Beharrlichkeit des Leverkusener ADFC setzte sich dann der Gedanke zum Bau des Wegs doch durch. Und nach den beteiligten Nachbargemeinden ist seit dem 4.10.10 auch Leverkusen mit im Boot. Noch immer kann die Stadt auf Grund der eigenen Finanzlage kein Geld beisteuern, stützt jetzt aber mit politischer Mehrheit den Bau, wenn er für für die Stadt ohne finanzielle Folgen bleibt. In Leverkusen hat sich inzwischen ein Förderverein gegründet, der das Ziel hat nach dem Modell der WuppertalBewegung den städtischen Eigenanteil privat aufzubringen und so den Radweg auch von der Burscheider Stadtgrenze bis zum Bahnhof Opladen zu vollenden.

Die Strecke für's Rad

Mit Riesenschritten schreitet die Realisierung der Balkantrasse ihrer zumindest teilweisen Vollendung entgegen. Während in Leverkusen gerade die Vorbereitung für den Ankauf der Trasse laufen, wird die Strecke von Lennep bis Burscheid am 22.4.12 offiziell eingeweiht. Dieses Ziel scheint durchaus realistisch. Bereits ist der größte Teil der Strecke asphaltiert, teilweise schon inklusive Deckschicht.Die Streckenabschnitte auf dem Remscheider Stadtgebiet inklusive Bergisch Born und vom südlichen Ende der Wermelskirchener Stadtdurchfahrt (ab Autohaus Lambeck) bis zum Burscheid können bereits gut befahren werden. Nur am Bahnhof Hllgen ist noch keine Asphaltdecke vorhanden. Auf diesem Abschnitt wird intensiv gearbeitet. Auch an Zugängen wird gebaut. Eine Vollendung deutlich vor der anvisierten Inbetriebnahme scheint realisierbar.

Höhenprofil

Das Höhenprofil, erstellt von Achim Bartoschek, zeigt den großen Höhenunterschied, der von Opladen bis Lennep zu überwinden ist. Bei Steigungen nicht über 2 % ist das aber auch für wenig trainierte Radfahrer gut zu bewältigen.
Auch für den Leverkuser Teil gibt es eine erste Übersichtskarte
In Wermelskirchen wurden Ende April drei fehlende Brücken eingesetzt
Die Strecke stellt eine landschaftlich reizvolle Verbindung vom Großraum Köln ins Bergische Land dar.

Die Balkantrasse hat in ihrer Entstehung eine spannende Geschichte durchlaufen. Wurde in den Bergischen Städten die Idee zum Ausbau überwiegend positiv aufgenommen und nach kurzer Zeit auch von der lokalen Politik unterstützt, stand der Ausbau des Abschnitts auf Leverkusener Stadtgebiet lange auf der Kippe. So wurde zunächst der Abschnitt von Remscheid Lennep bis zur Stadtgrenze Burscheid Leverkusen vollendet, während der in Leverkusen gegründete Förderverein noch an der Realisierung und Finanzierung des Ausbaus feilte.

Allerdings lief auch im Bergischen Raum nicht alles glatt. In Wermelskirchen ist die Trasse mit einer Umgehungsstraße bebaut worden, daher muss die Radverkehrsführung durch die Innenstadt erfolgen. Statt dieses als Chance zu sehen, hat sich aber der Leverkuser Stadtrat entschieden, die im ersten Jahr existierende Öffnung einer zentralen Einbahnstraße wieder rückgängig zu machen. Die dadurch notwendige Führung leitet den Radverkehr am Zentrum vorbei und zwingt die Radnutzer zu unnötigen Höhenmetern. Und das alles nur, um dem Fahrzeugverkehr wieder die Nutzung einiger eigentlich mit Halteverbot ausgestateter Parkplätze zu ermöglichen.

Das letzte Wort ist in dieser Frage allerdings noch nicht gesprochen, die gerichtliche Klärung läuft.

Auch in Leverkusen hat der Förderverein erfolgreiche Überzeugungsarbeit geleistet.  Auch von der Leverkusener Lokalpolitik wurden Bedeutung und Chancen des Radwegprojekts nach längerer Anlaufzeit erkannt. Am 4.10.10 entschied der Rat, den Förderantrag für den Ausbau der Trasse auf Leverkusener Stadtgebiet zu stellen. Bereits vier Wochen später fand am 28.10. eine Sitzung mit Festlegungen zur Ausbauplanungen statt.

Inzwischen wurde auch die Zuständigkeit für die Trasse auf die Bahnflächenentwicklungsgesellschaft BEG übertragen, die bereits diverse entsprechende Projekte des Alleen- Radwegeprogramms verwirklicht hat. Hier zahlte sich aus, dass der Sinneswandel in Leverkusen nun doch überraschend schnell erfolgte: Der Leverkusener Teil des Balkan-Radwegs ist nun 2013 iusgebaut worden. 

 

 

Mit dem Rad auf der Trasse unterwegs

Das Roadbook Balkantrasse ist als pdf abrufbar (3 MB)

Von Lennep bis zur Stadtgrenze Burscheid/ Opladen ist die Strecke befahrbar. Sie wechselt zwischen Waldpassagen und Stadtdurchfahrten auf ruhiger Nebenstrecke. Als ehemalige Bahntrasse hat sie maximal gut 2 % Steigung bzw. Gefälle. Sie überwindet aber trotzdem fast 300 Höhenmeter. Einen tollen Plan mit allen Infos zur Trasse bietet das Roadbook Balkantrasse. Interessante Infos enthält auch der Infoflyer zur Strecke.Sie erhalten es über den Förderverein oder bei uns. Es ist unter anderem auch im Infopaket Bahntrassenradwege enthalten.

Anbindung

Der Beweis: Wir haben ein eigenes Trassenstück!

Für die Verbindung nach Remscheid gibt es aus Richtung Wuppertal- Ost verschiedene Varianten. Landschaftlich besonders schön und relativ einfach zu fahren ist die Verbindung ab Oberbarmen über Laaken, durchs Marscheider Bachtal, über die Olper Höhe und durch Blume nach Lennep. Allerdings sind hier kurze Stücke nicht als Fahrweg ausgebaut.

Aus dem Westen bietet sich die Strecke über die Korkenziehertrasse und die Trasse der Ronsdorf-Müngster Eisenbahn an. Die Fortsetzung ist allerdings schwieriger. Von uns favorisiert war die Verbindung über Burg und das Eschbachtal nach Lennep. Sie ist landschaftlich schön und erklimmt die Höhe gemächlich. Allerdings muss man große Teile der Strecke auf der recht befahrenen Eschbachtalstraße zurücklegen. Der teilweise parallel verlaufende Wald und Wirtschaftsweg ist in seinem Ausbauzustand nicht als Fahrradstrecke geeignet.

Eine Alternative stellt die Fortsetzung über Schloss Burg, seit 1.4.2012 mit Nutzung der Seilbahn zum Fahrradtransport hinauf zur Burg und weiter in Richtung Wermelskirchen dar. Auf diese Strecke hat man sich in der Kooperation zum Bergischen Panoramaradweg geeinigt. In Wermelskirchen trifft man dann auf die Balkantrasse.

Ebenfalls kann man ab Müngsten durchs Morsbachtal fahren. Eine mäßig befahrene, recht schmale Straße bis in die Gerstau ist zu passieren, dann gibt es zwei Fortsetzungen: 1. Aufstieg nach Remscheid Hasten, noch kurz die Trasse des Werkzeugs mitnehmen und dann über die Höhe von Remscheid Hauptbahnhof nach Lennep oder 2. weiter durchs Morsbachtal und später das Diepmannsbachtal nach Lennep. Diese Strecke ist deutlich länger, aber sicher diejenige mit relativ wenig Verkehr und ebenfalls sehr gemächlichem Anstieg.

Die beschriebenen Strecken finden sie mit Karten und gps- Daten auf der Seite zur Solinger Bergbahn unter Anbindungen.

ÖPNV

An beiden Enden des Radwegs gibt es eine Bahnanbindung.

Der Bahnhof Remscheid-Lennep (VRR) wird pro Richtung in der Woche im 3 x, am Wochenende sowie in den Tagesrandzeiten 2 x je Stunde von der Regionalbahn RB 47 (Der Mügstener, Strecke Wuppertal-Remscheid-Solingen) angefahren

Leverkusen Opladen erreicht man mit dem RE 7 (Rhein- Münsterland- Express) 1 mal und der RB 48 (Rhein- Wupper- Bahn) bis zu 2 mal je Stunde. Wer aus dem Rheinland oder Ruhrgebiet anreist, kann über Leverkusen- Mitte mit den Linien RE 1, RE 5 oder den noch näher gelegenen Haltepunkt Leverkusen Küppersteg mit der S 6 anreisen. Die weitere Anfahrt nach Opladen ist in einigen Minuten zu bewältigen.

Bei Burscheid kreuzt die Bahn die A 1. Diese Brücke wurde noch im Zuge des Ausbaus der A 1 erneuert.
Die alten Bahnhöfe sind auch auf der Balkantrasse unverwechselbare Zeugen der Vergangenheit.

Geschichtliches

Eingeweiht zwischen 1876 und 1881, erlebte die Strecke ihre Blütezeit in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Bis zu 54 Personenzüge befuhren sie pro Tag, obwohl sie durch dünn besiedeltes Gebiet führte (daher stammt angeblich der Name "Balkan-Express") So überrascht es nicht, dass zwischendurch sogar der Ausbau als Hauptstrecke angedacht war. Allerdings ging nach dem 2.Weltkrieg die Verkehrsleistung deutlich zurück, und schon ab 1981 wurde der Verkehr zwischen Wermelskirchen und Hilgen eingestellt. Nach weiteren Teilstilllegungen ruhte der Verkehr auf der kompletten Strecke ab 1994.

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