Die Bergischen Bahntrassen und der Radverkehr

Im Bergischen Land gibt (bzw. gab) es eine alte, hervorragend ausgebaute Eisenbahn-Infrastruktur. Durch die Stilllegungspolitik der vergangenen Jahrzehnte sind aber viele der Strecken heute nicht mehr in Betrieb. Gab es an der einen oder anderen Stelle noch zaghafte Reakivierungsversuche, sind diese unter den heutigen politischen Rahmenbedingungen leider fast durchweg zum Scheitern verurteilt. So lange von den verantwortlichen Regierungen die zur Verfügung stehenden Mittel immer weiter gekürzt werden, ist ja noch nicht einmal der Bestand der heute noch bestehenden Strecken gesichert, die Reaktivierung ehemaliger Strecken rückt in weite Ferne.

Zum Vergrößern Karte bitte Anklicken.

Was für die allgemeine Verkehrspolitik eigentlich ein Desaster ist, entpuppt sich für Radfahrer jedoch als Glücksfall. Stillgelegte Bahntrassen sind meist ideale Radverkehrsstrecken, die in dieser Form als Neubau für den Radverkehr unbezahlbar wären. Sie weisen geringe Steigungen auf und bieten meist sehr kurze Verbindungen.  Sie sind oft kreuzungsfrei oder kreuzungsarm. Mit relativ geringem Aufwand lässt sich auf dem bestehenden Unterbau ein Rad- und Fußweg erstellen. Der teuerste Teil ist dabei oft der Grunderwerb, da die Bahn AG skandalöserweise im Rahmen der Privatisierung auch die Eigentumsrechte an Strecken behält, die sie gar nicht mehr betreibt und es für die Bahn daher auf vielen Strecken attraktiver ist, Grundstücke zu verkaufen, als Züge fahren zu lassen. So muss sich die öffentliche Hand ihr ehemaliges Eigentum zurückkaufen, um es in sinnvoller Nutzung zu belassen. Ebenfalls relativ teuer ist der Erhalt bzw. die Restaurierung von Kunstbauwerken wie Tunnel, Brücken oder  Stützmauern.

Andererseits bedeutet die Nutzung als Radweg, dass eine spätere Reaktivierung als Bahnstrecke möglich bleibt. An diese Möglichkeit wird zum Beispiel bei der Niederbergbahn ganz konkret gedacht.

Nachdem die ersten Umbaumaßnahmen in unserer Region im Rahmen der Regionale 2006 erfolgten, (Sambatrasse, Korkenzieherbahn & Trasse des Werkzeugs), bzw. vom Regionalverband Ruhrgebiet im Rahmen von Fördermöglichkeiten durch Strukturförderung  vorgenommen wurden (Kohlenbahn Hattingen – Schee), gründete sich in Wuppertal die WuppertalBewegung. Erstes Ziel ist, ein innerstädtisch besonders aufwändiges, aber auch spektakuläres Projekt zu verwirklichen: den Umbau der ehemaligen Rheinischen Strecke und der Kohlenbahn durch das ganze Stadtgebiet von Wuppertal-Vohwinkel bis Schee. Dieses Projekt bildet das Herzstück eines Wegeverbundes, der inzwischen durch weitere geplante oder im Bau befindliche Wege ergänzt wird. So wird mit der Niederbergbahn eine weitere, westliche Verbindung an die Ruhr geschaffen, das obere Tal der Wupper und der Kölner Raum werden durch den Balkan-Express bzw. die Strecke Lennep – Hückeswagen- Wipperfürth- Marienheide angebunden. Diese Projekte werden möglich durch ein neues Förderprogramm der Landesregierung (Alleen-Radwege“), das speziell den Bau von Radwegen auf ehemaligen Bahntrassen umfasst.

Auf folgende Projekte wollen wir auf diesen Seiten weiter eingehen:

Sambatrasse
Korkenzieherbahn
Nordbahn (Rheinische Strecke)
Trasse des Werkzeugs
Niederbergbahn
Kohlenbahn (Schee-Hattingen und Schee-Silschede)
Silschede-Witten
Balkan-Express (Remscheid Lennep-Opladen)
Wasserquintett (Remscheid Lennep-Marienheide)

Ein besonderer Hinweis gilt der ultimativen Seite für Bahntrassen-Radwege. Unter www.bahntrassenradeln.de hat Dr. Achim Bartoschek ein unvergleichliches Archiv für Bahntrassenradwege zunächst in Deutschland und nun zunehmend auch für Europa geschaffen. Hier finden sie jede Bahntrasse, die  für den Radverkehr genutzt wird, mit der Angabe aller relevanten Daten. Ein Blick lohnt sich bei der Planung von Radtouren immer

© ADFC NRW 2010